Märchen-Revolution

Dagmar Margotsdotter-Fricke: Die gute Mär. Mutterkunde im Märchen

 

183 Seiten, kartoniert, Christel Göttert Verlag, ISBN 9783939623045
Frauen und Mädchen finden sich in den Märchen, so wie sie uns bisher erzählt und gedeutet wurden, nicht mehr wieder. Die Vorstellung von einer auf „die Tochter eines Königs“ reduzierte junge Frau, die zu guter Letzt an einen kampfeslustigen Prinzen vergeben wird, reißt Mütter und Töchter nicht mehr vom Hocker. Wie wunderbar also, dass sich Dagmar Margotsdotter-Fricke so akribisch auf die Spurensuche gemacht hat. Ihr Buch ist eine wahre Goldgrube, um vergessenes, verschüttetes, verdrehtes oder verfälscht wiedergegebenes Wissen wieder auszugraben, richtig zu stellen und gerade zur rücken. Es gibt uns die Mutterkunde im Märchen zurück. Echte Märe, sind Geschichten aus matriarchaler Zeit. Sie entstanden aus einer allumfassenden Spiritualität, die alles achtet, was ist und nicht ist – das Leben und den Tod. Dagmar Margotsdotter-Fricke deutet die Königin, den König, die Prinzessin, den Prinzen, Mutter und Tochter, Schwester und Bruder, Burgen, Türme, Höhlen, Zaubermittel und viele andere Elemente der Märe aus diesem Blickwinkel und öffnet uns die Augen für „die gute Mär“. Denn Märchen zeugen von großer Liebe und irdischen Glück, die uns zuteil werden, wenn wir uns mit all unseren Lebenskräften in diese Ordnung fügen und Welt und Zeit mit Dankbarkeit, Demut und Freude durchschreiten. Sie sprechen aber auch vom Unglück, das wir Menschen erfahren, wenn wir dieser zutiefst mütterlichen Ordnung zuwiderhandeln. Dies lernt Aschenputtel durch ihre Mutter, Gretel bei der Hexe, Goldmarie bei Frau Holle, Rotkäppchen bei Großmutter Wolf.

Luisa Francia: Die Schatzhüterin. Klassische Märchen neu erzählt

208 Seiten, erschienen 2011, gebunden, Nymphenburger Verlag, ISBN 9783485013574, auch als Hör-CD

In vielen ihrer Bücher erzählt Luisa Francia neue, befreiende Märchen für Frauen. „Die Schatzhüterin“ ist eine Märchensammlung, die einige dieser Geschichten enthält, zum Beispiel „Die Prinzessin, die nicht mehr lachte“. Dazu erzählt Luisa Francia patriarchal verdrehte, von Gewalt durchdrungene Klassiker wie „Rotkäppchen“, „Dornröschen“, „Schneewittchen“ oder „Die roten Schuhe“ neu. Aus dieser wohltuenden Perspektive spüren wir ihre ursprüngliche Botschaft. Auch Kinder genießen solche Geschichten. Sie vermitteln ihnen die Selbstverständlichkeit einer gesunden starken Mutter, einer weisen, unterstützenden Großmutter und zurückhaltender Männer, die eine natürliche Ordnung nicht stören oder gar gewaltsam dagegen vorgehen. Die Hexe, die Drachin oder die Wölfin werden zu kraftvollen Verbündeten. Eine Prinzessin, die aus sich selbst heraus ihr Glück findet und nicht gerettet werden muss, schenkt Kraft und Lebensfreude. Prinzen, die sich vorbildlich verhalten, werden zu Vorbildern für einen respektvollen Umgang mit Frauen, Kindern und der Natur. 

UF/ Fotos: mit freundlicher Genehmigung von  F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, Christel Göttert Verlag