Paris – ein Traum wird wahr

 

Vielleicht träumen Ihre Kinder von Paris, seit die französische Hauptstadt und ihre berühmten Sehenswürdigkeiten im Französisch-unterricht besprochen wurden. Im Teenageralter sind sie soweit, die Metropolen der Welt  zu entdecken und ihre Sprachkenntnisse im Ausland zu erproben. Die beste Gelegenheit für Mütter, mit der Familie eine Städtetour zu machen. Ein Reisebericht von Ursula Fournier. 
Nach Paris zu fahren ist weit und bei den aktuellen Benzinpreisen zu teuer. Viel günstiger und bequemer kommen Sie mit dem Flugzeug ans Ziel. Sie finden erstaunlich günstige Flugangebote im Internet, wenn Sie bei der Terminauswahl Hin- und Rückflug geschickt kombinieren und nicht zu kurzfristig buchen.
 
Ein Traum wird wahr
Wir landeten nach einem entspannten Nachmittagsflug hoch über ein paar Schönwetterwolken auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Nachdem wir unseren Koffer vom Band gehievt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Ticketschalter und der Linie RER B, die uns in ungefähr einer halben Stunde zum Gare du Nord bringen sollte. Allein die französische Ansage der Haltestellen war Musik in unseren Ohren. Mit der Métro erreichten wir nach zweimaligem Umsteigen unser Ziel und fanden problemlos unser Hotel.
Bestens versorgt und gut aufgehoben
Das Nadaud war uns von einer Paris-Kennerin empfohlen worden. Es wird von einem Ehepaar und dessen Tochter in der Kategorie „hotel familiale“ geführt. Ein Glückstreffer, wie wir bald feststellten. An der Rezeption erwartete man uns bereits. Auf einem Sessel lag ein schwarzes Kätzchen namens Vanille und ließ sich von uns gerne auch auf Deutsch begrüßen. Wir hatten sofort das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Der Lift brachte uns hinauf in den obersten Stock des alten Pariser Hauses, das wegen der schmalen Bauweise auf jeder Etage nur drei oder vier Zimmer hat. 
Aus unserem Erkerzimmer hatten wir einen tollen Ausblick auf den Eiffelturm. Rechts davon sahen wir die weißen Kuppeln von Sacré Coeur, hinter denen gerade die rote Abendsonne am Himmel unterging.
Im Hotel Nadaud bekommt man das Frühstück zur gewünschten Uhrzeit auf’ s Zimmer gebracht.  Am nächsten Morgen servierte uns eine Dame ein Tablett mit Kaffee, heißer Schokolade, frischen Croissants und süßem Baguette. Ein Genuss, so verwöhnt zu werden. Jetzt konnte unsere Entdeckungstour beginnen.
 
Erste Eindrücke im Viertel
„Mama, hier gibt es ja noch richtig viele kleine Geschäfte“, rief meine Tochter begeistert, als wir ein paar Einkäufe erledigten. Gleich um die Ecke fanden wir eine „Boulangerie“ nach der anderen mit poetischen Namen wie „Moule des gateaux“. Der Duft der Bäckereien wehte uns überall entgegen. Wir versorgten uns mit belegten Baguettes und süßen Teilchen für den Tag. Wasser kauften wir in einem „Supermarché“. Triste und schmuddelige Discounter fanden wir kaum. Dafür umso mehr kleine und einladende Geschäfte, Bistros und Brasserien. Jeder Obst- und Käseladen dekoriert seine Waren für’ s Auge der zahlreichen Kunden, die von früh bis spät und auch sonntags genussvoll einkaufen können. Mit einem gut gefüllten Rucksack machten wir uns auf den Weg zur Métro.
Erlebnis „Métro“
Wir kauften ein „carnet“ mit zehn Tickets, die für die U-Bahnen und Busse gültig sind. Wer Start und Ziel seiner Besichtigungstour günstig legt, spart auf diese Weise unnötiges Fahrgeld. Vom 20. Arrondissement aus erreichten wir all unsere Stationen in kurzer Zeit. Am weitesten entfernt war der Tour Eiffel, den wir natürlich gleich am ersten Tag bei strahlendem Sonnenschein sehen wollten. In etwa einer halben Stunde erreichten wir ihn mit der Métro, die streckenweise auch überirdisch als „Hochbahn“ fährt.  
Die Métro an sich ist ein Erlebnis. Bereits im Jahr 1900 wurde die erste Linie gebaut. Inzwischen ist das riesige Streckennetz ein wahres Labyrinth, in dem wir uns aber bereits nach einem Tag gut zurechtfanden. An fast jeder Station gibt es kostenlose Taschenfahrpläne zum Mitnehmen und in den Zügen übersichtliche Anzeigetafeln, auf denen auch die Umsteigemöglichkeiten und die Sehenswürdigkeiten markiert sind.  
Als Teenager kann man vom Pariser Métro -Flair gar nicht genug bekommen. „Mama, das Licht ist so toll.“ „Die hellgrünen Sitze sind echt cool.“ „Es riecht hier so typisch. Den Geruch werde ich nie vergessen“ - irgendwo zwischen würzig, muffig und aromatisch. Einfach unverwechselbar. Der Duft der Métro eben.
In den Waggons war immer etwas los. Wir hörten klassische Musik von einem recht virtuosen Geiger auf der Linie 6 unterwegs zur Station „Bir Hakeim“. In der „Eins“ zum Louvre unterhielt uns eine Zigeunercombo mit Tanz und Gesang. In der RER A  nach Disneyland vertrieb uns ein Gitarrenspieler mit bekannten Schlagern die Zeit. Eine Pan-Flötistin war unser Rahmenprogramm auf dem Weg nach Montmartre.  
Wir hielten ein wenig Kleingeld für die Künstler bereit, um den wegen der Warnung vor Taschendieben unzugänglich verstauten Geldbeutel nicht herauskramen zu müssen.
 
Die Pariser Fahrgäste unterhielten sich während der Darbietungen der fahrenden Künstler miteinander oder ihrem Handygesprächpartner weiter. Oder sie hatten die Stöpsel ihres MP3-Players im Ohr und bekamen weder unsere touristische Begeisterung noch den Waggon füllenden Sound mit.  
Für uns gab es umso mehr zu lauschen und zu schauen. Was trägt die Jugend in Paris? Wie unterhalten sich die französischen Mädchen und Jungen miteinander? Wie lachen sie? Wie reagieren die drei hübschen Teenager gegenüber, wenn sich der Junge zu ihnen setzt? Ist die Welt spannend! Schade, dass wir schon aussteigen müssen. Aber oben wartet unser erstes Highlight.
Der Turm der Türme
Es gibt auf der Welt ja viele berühmte Türme, aber was der Ingenieur Gustave Eiffel im Jahr 1889 für die Pariser Weltausstellung gebaut hat, ist „endcool“.  Die Menschenschlange, die mit dem Lift nach oben will, gefiel uns weniger. Daher beschlossen wir nach unserer ersten Besichtigungsrunde unter dem bombastischen Stahlgeflecht die Treppe bis zur zweiten Etage zu nehmen. Von dort aus geht es mit dem Lift auf schwindelerregende 302 Meter hinauf.  
Nach 1600 Stufen (einfach), von den Kindern im Eiltempo und von den Erwachsenen mit mehreren Pausen („Wann kommst du denn endlich?“) erklommen, sahen wir Paris nach einer zum Picknick umfunktionierten Geduldsprobe vor dem obersten Aufzug endlich aus der Vogelperspektive. Gut, dass wir unsere Blousons dabei hatten. So konnte uns der kräftige Ostwind nicht daran hindern, ausgiebig in alle vier Himmelsrichtungen über die legendären Dächer der Metropole zu spähen.  
Wieder unten flohen wir vor einer Horde Souvenirhändler, die nicht verstehen wollen, dass uns drei Mini-Eiffeltürme für einen Euro genügen, über die nahe gelegene Seine – Brücke hinüber zum Marsfeld. Von dort lässt sich der Turm der Türme noch einmal besonders gut fotografieren. Über die Place de Trocadero ging es weiter zum Arc de Triomphe. Obwohl Mutters Füße Notsignale nach oben sandten, erreichten die Wehklagen die vorauseilende Jugend nicht. Hier beginnt die Champs Élysées, wissen wir aus dem Französischbuch. Wer könnte so kurz vor der legendären Prachtstraße schlapp machen?
Charmanter Schönheitsfehler 
Ehrfürchtig  setzten wir also den müden Fuß auf die Luxusmeile und standen  nach ein paar Minuten vor den Schaufenstern von „Cartier“. In die mit funkelndem Geschmeide dezent gestaltete Auslage durften wir ungeniert gucken. Die Türe aber versperrte ein livrierter Pförtner hinter einem schnell hinein huschenden Pärchen.  
Wir shoppten daher ein paar Häuser weiter bei „Morgan“ und erstanden ein paar modische Teile in wirklich guter Qualität zum Schnäppchenpreis.  
Auf der Suche nach einer Toilette, die in Pariser Geschäften nicht zwingend vorhanden ist, fanden wir einen Schandfleck auf der prächtigen Avenue, die Räumlichkeiten einer ebenfalls weltbekannten Restaurantkette. Obwohl der Laden gut besucht war, klebte die heimliche Verachtung der Franzosen für Fastfood auf jedem schmierigen Tisch. Nichts wie raus und zurück in die alte Pracht. Dort genossen wir später noch ein echt französisches Abendessen im gut besuchten Bistro um die Ecke.
Sie lächelt wirklich
Am nächsten Vormittag fing es an zu regnen und wir zogen den geplanten Museumsbesuch vor. Ins „Musée du Louvre“ gelangten wir trocken direkt aus dem U-Bahnhof über die Einkaufsgalerie „Le Caroussel du Louvre“. Wir besichtigten die Glaspyramide erst einmal von innen und ersparten uns auf diese Weise den Dauerstau oben am Haupteingang.  
Auch der Kauf der Tickets ging schnell. Aufgrund einer neuen Regelung ist der Eintritt in das riesige Museum für Kinder und Jugendliche aus Europa bis 18 Jahre frei. Wir beschränkten uns auf den Flügel, in dem das Gemälde hängt, das wohl jeder im Louvre sehen möchte. 
Wir folgten den Schildern und lernten gleich etwas dazu (das nicht mal unser Reiseführer weiß): „Die schreibt man ja mit zwei N!“ Gemeint ist die Monna Lisa, die ihrem Maler, Leonardo da Vinci, Modell für das heute wohl teuerste Gemälde der Welt stand. Im Louvre heißt sie "La Joconde" und lächelt ihre Bewundererschar aus allen Ländern dieser Erde tatsächlich an. Jeden einzelnen, auch uns. „Chapau“ vor ihrem Schöpfer,  oder „Hut ab!“
Ganz entspannt im Batobus
Nachdem die Wolken für eine Weile ohne unsere Anwesenheit geregnet hatten, verzogen sie sich für den restlichen Tag. Wir machten uns auf zum „Sehenswürdigkeiten-Hüpfen“ mit dem Batobus. Die Schiffstour auf der Seine kostet 12 Euro für Erwachsene und 6 Euro für Kinder. Von einer Station zu nächsten dauert es zehn bis fünfzehn Minuten. Von 10 Uhr bis 23.20 Uhr kann man ganz nach Lust und Laune an den verschiedenen Haltestellen aus- und wieder einsteigen. Bequem saßen wir im Linienboot und fuhren vom Louvre aus zum nächsten Halt „Notre Dame“. Die gotische Kathedrale mit den wunderbaren Rosetten begeisterte uns. Lustig, aber wirkungsvoll ertönt im Inneren ab und zu ein international verständliches „Pscht!“ vom Band und sorgt für Ruhe im Gotteshaus.
An diesem Tag brauchten die Mutterfüße keinen Alarm schlagen. Wir schlenderten durch die geometrisch angeordneten Baumreihen der Tuillerien zum ägyptischen Obelisken auf der Place de la Concorde. Der riesige, runde Platz beeindruckt mit den schönen Brunnen in der Mitte und den prächtigen Bauten im Hintergrund nahe dem Elysée-Palast, der Residenz des französischen Präsidenten.  
Wieder am Ufer der Seine warteten wir mit Blick auf eine reich verzierte Brücke auf das Linienboot, das uns noch einmal zurück zum Eiffelturm bringen sollte, an dem wir uns gar nicht satt sehen konnten.
 

Heilige und profane Vielfalt
Die ideale „Location“ für einen Vampirfilm ist der Friedhof Père Lachaise, den wir vom Hotel aus in ein paar Minuten zu Fuß erreichten. Wir schlossen uns für eine Weile einem französischen Führer und seiner Gruppe an, um eine Auswahl berühmter Grabmonumente besichtigen zu können. Auf diesem Friedhof liegt man nicht einfach begraben, sondern ruht standesgemäß. Viele Fans halten die Erinnerung an so manchen verstorbenen VIP lebendig. Wir besuchten beispielsweise den Komponisten Frédéric Chopin. Die vielen frischen Blumen auf seinem Grab zeugen von der Jahrhunderte überdauernde Beliebtheit  seiner Musik. 
Aus der schaurig-romantischen Stille fuhren wir – natürlich mit der Métro – ins lebenslustige Künstlerviertel Montmartre. Die auf dem Hügel gelegene Kirche Sacré Coeur – dem Herzen Jesu geweiht - besticht nicht nur optisch, sondern auch mit ihrer warmen Atmosphäre.

 

Wenn wir nun schon einmal fast da waren, konnten wir uns die Besichtigung – zumindest von außen - des nicht weit entfernten Cabarets Moulin Rouge, bekannt durch die Truppe Beine schwenkender Cancan-Tänzerinnen – nicht verkneifen

Nach einigen Kunst- und Kulturtagen zog es die Jugend schließlich zum Shopping. In der Gegend um die Oper (Métrostation Opéra) oder Les Halles werden die jungen Mädchen in vielen angesagten Läden fündig. Das Kaufhaus Galeries Lafayette ist mit der prächtigen Glaskuppel, der Aussichtsterrasse im obersten Stock und den tollen Dekorationen eine Attraktion.  
 
Die Parisreise lässt sich gut mit einem Ausflug nach Disneyland verbinden. Lesen Sie mehr über den Riesenspaß für die ganze FamilieFotos: UF