Mütterweisheit und Hebammenwissen

Toni Harman, Alex Wakeford: Der Mikrobiom-Effekt. Kickstart fürs Immunsystem: Warum eine natürliche Geburt entscheidend für die Gesundheit Ihres Babys ist. Mit Informationen zu Vaginal Seeding

 

224 Seiten, Paperback, erschienen Juli 2019, VAK Verlag, ISBN 9783867312097

 

Das menschliche Mikrobiom umfasst Billionen von Mikroorganismen. Bakterien, Pilze und Viren leben auf unserer Haut, im Verdauungstrakt, im Urogenitalbereich, im Mund, in der Nase, in den Lungen und bei Frauen in der Vagina. Während der Geburt geht das Mikrobiom der Mutter auf das Baby über und setzt sein Immunsystem in Gang. Daher beeinträchtigen Kaiserschnitt-Entbindungen sowie die Verwendung von Antibiotika, synthetischem Oxytocin oder Muttermilchersatz den mikrobiellen Transfer zwischen Mutter und Baby und die gesunde Ausbildung des Immunsystems des Babys.

Toni Harman und Alex Wakeford erläutern zusammen mit zwölf international renommierten Wissenschaftlern, wie Mütter möglichst durch eine natürliche Geburt, Hautkontakt und die richtige Ernährung ihrem Baby einen optimalen Start ins Leben ermöglichen und was sie tun können, wenn ein Not-Kaiserschnitt unumgänglich ist. Sie erklären die einfach zu praktizierende Methode des Vaginal Seeding nach Dr. Maria Dominguez Bello, bei der das Mikrobiom der Mutter unmittelbar nach der Kaiserschnitt-Entbindung nachträglich auf das Baby übertragen wird. „Wenn alle Generationen mit natürlicher Geburt zur Welt kommen, haben die Enkel die gleich Arten von Mikroben wie ihre Großmutter mütterlicherseits.“ Ein Kaiserschnitt bei einem Familienmitglied unterbricht diese mikrobielle mütterliche Erblinie, was zu einer Krankheitsanfälligkeit künftiger Generationen in der Familie führen kann.

 

Dass ein Kaiserschnitt ohne Wehen die „Abfolge des Einschaltens der richtigen Gene zur richtigen Zeit, während andere zur richtigen Zeit abgeschaltet werden, die natürlichen epigenetischen Prozesse stören (…) mit potenziell schwerwiegenden Folgen für die Gesundheit“, gilt es bei der Wahl der Geburtsmethode zu bedenken, In vielen Ländern weltweit wird eine inakzeptabel hohe Rate an Kaiserschnittgeburten durchgeführt. Auch deshalb liefert dieses Buch allen Frauen und werdenden Müttern ungeheuer wichtige Informationen und kann ihnen zu einer informierten Entscheidung darüber verhelfen, wie sie ihr Baby entbinden möchten. 

Martine Texier: Der weibliche Weg. Kraftvolle Rituale und Übungen für Schwangerschaft und Geburt

 

302 Seiten, Klappenbroschur, erschienen 2018, Mankau Verlag, ISBN 9783863744816

 

Die französische Autorin und Yogalehrerin Martine Texier erinnert daran, dass eine Entbindung als etwas „Heiliges“ ist und eine Initiation der Frau in die Mutterschaft ist. Ihr Buch beschreibt auf einfühlsame und leicht verständliche Weise die anatomischen und energetischen Zusammenhänge der Geburtserfahrung. Zentral ist dabei die Energie der Welle, um selbstbestimmt und freudig gebären zu können und somit Ängste und Schmerzen zu bewältigen. Dabei schöpft Martine Texier aus ihrem großen Erfahrungsschatz in der Geburtsvorbereitung sowie in der jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit werdenden Müttern und Hebammen. Ihr revolutionärer Ansatz besteht darin, in einer aufrechten Haltung ganz bewusst Becken, Gebärmutterhals und Damm zu öffnen – unterstützt durch kraftvolle Yoga- und Beckenbodenübungen. Ein schön gestaltetes Buch mit vielen Abbildungen und Anleitungen zu hervorragenden Yoga-Asanas und urweiblichen Bewegungen aus dem orientalischen Tanz zur Geburtsvorbereitung   

Ina May Gaskin: Die selbstbestimmte Geburt

 

350 Seiten, kartoniert, mit zahlreichen Abbildungen, Kösel Verlag, ISBN 9783466344772

 

Die Autorin Ina May Gaskin ist geprüfte und international bekannte Hebamme mit über 30jähriger Berufserfahrung und besitzt ein weltweites Renommeé als Hebamme und Autorin auf dem Gebiet der natürlichen und spirituellen Geburtshilfe. Im Jahr 1970 gründete sie mit einer Gruppe von Kolleginnen ein Geburtshaus, die „Farm“ in Summertown, Tennessee, wo sie immer noch mit ihrem Mann lebt.Das Projekt für natürliche Geburt erregte große Aufmerksamkeit. Inzwischen fanden in diesem Geburtshaus über 2200 Geburten statt. Eine 1994 veröffentlichte Statistik belegt, dass die Farm eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate und weniger Komplikationen bei Geburten im Vergleich zu schulmedizinischen Entbindungsmethoden aufweist. 94,5% der Geburten auf der „Farm“ erfolgen spontan. 

 

Erstmalig wurde eine Geburtshilfemethode nach einer Frau benannt. In ihrem neuen Buch stellt Ina May Gaskin die „Gaskin - Methode“ der natürlichen Geburt als Gesamtwerk vor. Im ersten Teil  ihres Buches lässt sie zunächst zahlreiche Frauen zu Wort kommen, die über ihre persönlichen Geburtserfahrungen berichten. In Teil 2 schildert sie den Geburtsvorgang aus ihrer Perspektive und stellt ihre Methode der Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsvorbereitung und Geburtshilfe im Unterschied zur schulmedizinischen Herangehensweise sowie verbreitete Vorurteile detailliert dar. Sie erklärt die Bedeutung des Zusammenspiels von Körper und Psyche in Bezug auf den Gebärvorgang, den genauen Ablauf der Geburt vom Einsetzen der Wehen bis zur Entbindung und beantwortet die Frage, warum bei den Wehen Schmerz und Ekstase so nah beieinander liegen. Den gängigen Klischees widerspricht sie, indem sie zeigt, wie eine Geburt schmerzlos und ekstatisch verlaufen kann.

 

Das Buch betont die Achtung vor dem eigenen Körper sowie das Vertrauen, das Frau in ihren Körper haben kann. Auch hier zeigt Ina May Gaskin, wie sehr ihr „Körperbewusstsein“ von der schulmedizinischen Sichtweise des weiblichen Körpers und seiner Fähigkeiten abweicht. In diesem Zusammenhang erläutert sie auch das von ihr aufgestellte „Schließmuskel-Gesetz“ – eine Erkenntnis, die den Geburtsvorgang enorm erleichtert. Ina May Gaskin befasst sich auch detailliert mit der Schwangerschaftsvorsorge und Geburtsvorbereitung. Auch hier stellt sie den Unterschied zur üblichen gynäkologischen Betreuung von Schwangeren heraus. Sie erläutert die Bedeutung einer gesunden Ernährung während der Schwangerschaft. Ebenso findet die Leserin eine interessante und kritische Auseinandersetzung mit der gängigen pränatalen Diagnostik (Ultraschall, Amniozentese u. a.). Die Autorin befasst sich schließlich mit dem Geburtsvorgang an sich - der Wehentätigkeit – und übt ebenfalls Kritik an schulmedizinischen Interventionen wie eingeleitete Geburt und CTG (Abhören der Herztöne des Kindes). Ina May beschreibt auch, welche Routinemassnahmen sie ablehnt und erklärt, warum (u. a. die Schamrasur vor der Entbindung, Einlauf, Fasten während der Geburt, Infusionen). Sie stellt die Gebärhaltungen vor, wie sie seit alters her von Frauen aus ihrem natürlichen Instinkt heraus praktiziert worden sind. Sie macht klar, dass es Möglichkeiten gibt, auf schmerzstillende Mittel oder PDA (Periduralanästhesie) zu verzichten. Sie gibt Empfehlungen, sich eine Geburtshelferin („Doula“) zu suchen, die die Mutter während und nach der Geburt umsorgt. Darüber hinaus findet die Leserin Tipps für die richtige Kleidung bei der Geburt, Essen und Trinken während der Geburt sowie Hinweise für die Geburtshelfer, wie sie die Gebärende massieren oder mit anderen Handgriffen unterstützen können. 

 

Ina May Gaskin erinnert Frauen daran, dass eine Geburt ein sexuelles Erlebnis ist, bei dem sie loslassen und unserer Natur, bzw. ihrem weiblichen Instinkt und ihrer weiblichen Intuition vertrauen können. Diese Rückverbindung der Frau an ihre ursprünglichen, weiblichen Kräfte greift sie gesondert in einem Kapitel auf, in dem sie „die vergessenen Kräfte der Vagina“ bewusst macht. Aus ihrer Erfahrung ist bei einer natürlichen Geburt in den überwiegenden Fällen ein Dammschnitt überflüssig. Ausführlich beschreibt sie das letzte Stadium der Geburt, das Durchtrennen der Nabelschnur, die Ausstoßung der Plazenta, den Körperkontakt von Mutter und Neugeborenem. Die Mutter sollte sich ihr Kind nicht – wie in Kliniken üblich – wegen der Erstversorgung zu schnell wegnehmen lassen. So lässt sich die bei Müttern manchmal auftretende „Postnatale Depression“ vermeiden. Wichtig für alle werdenden Mütter sind auch die Informationen der Autorin über eine „geplante Kaiserschnitt-Geburt“ und die geschilderten Risiken für Mutter und Kind bei diesem Eingriff. Sie zeigt Müttern auch die Möglichkeit der Spontangeburt, nachdem sie bereits ein Kind per Kaiserschnitt geboren haben. Ein „Handbuch“, das inzwischen zur „Geburtsvorbereitungsbibel“ geworden ist

Evelin Kirkilionis: Bindung stärkt. Emotionale Sicherheit für Ihr Kind - der beste Start ins Leben

 

160 Seiten, Broschur, Kösel Verlag, ISBN 9783466345212 

 

Dass Kinder ein angeborenes Bedürfnis nach Geborgenheit und zuverlässigem Kontakt haben, ist hinlänglich bekannt. Dass es aber bei Erwachsenen auch ein ebenfalls angeborenes "intuitives Elternprogramm" gibt, das erläutert Evelin Kirkilionis in diesem Buch. Wenn es um Erziehung geht, so Kirkilionis, sollten Eltern wieder mehr ihrem Gefühl vertrauen, anstatt sich von äußeren Einflüssen verunsichern zu lassen. Die Autorin ist Humanethologin, Mitbegründerin der selbstständigen Forschungsgruppe "Verhaltensbiologie des Menschen" und erfahrene Leiterin von Workshops und Fortbildungen.

 

Kirkilionis führt ins Thema ein, indem sie zunächst einmal definiert, was eine gelungene Eltern-Kind-Bindung eigentlich ist. Im ersten Teil ihres Buches verdeutlicht sie dann die grundlegende Bedeutung dieser Bindung für die Entwicklung eines Kindes. Sie unterscheidet dabei zwischen sicheren und verschiedenen unsicheren Bindungsbeziehungen und zeigt, unter welchen Bedingungen diese jeweils entstehen. Entscheidende Bedeutung misst Kirkilionis hier der Bezugsperson und deren Feinfühligkeit zu und erklärt, wie diese Feinfühligkeit gestärkt werden kann. Im zweiten Teil stellt sie detailliert dar, wann und wie die Bindungsbeziehung zwischen Eltern und Kind wächst. Sie beschreibt, was beide, Eltern und Kind(!), intuitiv dazu beitragen und welche Faktoren diese Beziehung positiv oder negativ beeinflussen. Im dritten Teil geht es darum, wie Eltern eine gelungene Bindungsbeziehung gezielt fördern können. Im vierten Teil schließlich geht Kirkilionis darauf ein, dass die aktuellen gesellschaftlichen Realitäten oft eher hinderlich sind für die Entwicklung einer gesunden Eltern-Kind-Bindung. Sie beschreibt aber auch, wie eine sichere Bindung dennoch gelingen kann. 

 

Obwohl sich Evelin Kirkilionis bei ihren Ausführungen hauptsächlich auf das erste Lebensjahr konzentriert, so zeigt sie doch auch, dass Bindung ein lebenslanges Thema ist. Immer wieder macht sie dabei deutlich, welche Folgen es hat, wenn die Bezugsperson keine sichere Bindung zum Kind aufbauen kann. Dennoch weist sie Müttern und Vätern keine Schuld zu. Vielmehr macht sie deutlich, wie schwer es Eltern in unserer Gesellschaft haben, eine gesunde Bindung zu ihren Kindern aufzubauen. Besonders deutlich wird dies, wenn Kirkilionis Vergleiche mit sogenannten „traditionellen Gesellschaften“ anstellt. Dort wird schon seit Urzeiten ganz selbstverständlich vieles von dem gelebt, was Kirkilionis den Eltern ans Herz legt. Und so plädiert sie dafür, sich wieder mehr auf das zu besinnen, was Eltern und Kinder „von Natur aus“ eigentlich perfekt können: miteinander in Beziehung treten. KS

Vivian Weigert, Dr. med. Wolf Lütje: Das große Mama-Handbuch. Alles über Schwangerschaft, Geburt und die ersten 10 Monate mit Baby 

 

432 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Fotos und Illustrationen, Kösel Verlag, aktualisierte Auflage 2018, ISBN 9783466310883

 

Vivian Weigert ist Heilpraktikerin, Mutter und Beraterin in der Beratungsstelle für Natürliche Geburt und Elternsein, auch durch ihr Stillbuch bekannt. Mit dem Schulmediziner Dr. med. Wolf Lütje, der Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an einer Hamburger Klinik war, stellte sie ein wissenschaftlich fundiertes Handbuch mit vielen praktischen Tipps für werdende und frisch gebackene Müttern zusammen. Praktisch ist der  Schwangerschafts-wochenkalender. Im Internet gibt es zur Vertiefung dazu das „Mama plus“ Bonusmaterial. Das umfangreiche Buch liefert eine Kombination von schulmedizinischen und naturheilkundlichen Informationen zu Schwangerschaft, Geburt und den ersten zehn Lebensmonaten mit dem Baby. Die Gestaltung mit vielen schönen Fotos ist sehr aufwendig. Für Frauen, die sanfte Medizin für ihren Körper und ihr Kind bevorzugen

 

UF/Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Verlagsgruppe Random House GmbH; Mankau Verlag GmbH, VAK Verlags GmbH