Mirabilandia – Sich einfach mal fallen lassen

 

„Mira, mira, mirabilandia“ singt die Fan-Gemeinde beim krönenden Abschluss des Tages - der nächtlichen Laser-Show mit anschließendem Feuerwerk. Auch wir finden den drittgrößten Vergnügungspark Europas nahe der italienischen Stadt Ravenna, den wir mit unseren Kindern inzwischen schon mehrmals besucht haben, jedes Mal wieder ganz einfach „wunderbar“.  
Wenn Sie Lust haben, einen ganzen Tag lang richtig gut drauf zu sein, schließen Sie sich den fröhlichen Scharen sympathischer und lockerer Italiener an, die mit Ihnen durch das imposante Burgtor in den mit fantasievollen Bauwerken und üppigen Pflanzen gestalteten Park schlendern. Weil wir in Italien sind, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit auch sonnig und warm, so dass wir außer einer Tagesration Mineralwasser, einem Handtuch und Badesachen nicht viel im Rucksack schleppen müssen.
 
Badeanzüge lohnen sich in zweierlei Hinsicht. Zum einen können sich die schwitzenden Adrenalin-Freaks bei der reißenden Wildwasser-Fahrt durch den „Rio Bravo“ oder in der gigantischen Wasserfontäne nach dem Sturz in die Tiefen des „Niagara“ abkühlen, ohne danach in nassen Kleidern zu kleben. Zum anderen grenzt unmittelbar an den Vergnügungspark der Wasserpark „Mirabilandia Beach“ mit echtem Karibik-Feeling, puderzuckerweichem Sand unter den Füßen und einer Rutschenanlage für jeden Geschmack und jedes Alter. Kleiner Wermutstropfen: Hier kostet es noch einmal extra. Wenn Sie wieder trocken sind und vielleicht ein köstliches Gyros oder eine Latte macchiatto genossen haben, und nun die nächste Adrenalin-Spritze bräuchten, empfehlen wir eine der beiden Mega-Achterbahnen. Die eine heißt „Katun“ und befindet sich in einer alten Maya-Stadt. Seit Jahren gehört der berühmte „Inverted Coaster“ zu unseren Lieblings-Hänge-Achterbahnen mit den bestgepolsterten Sitzen, die wir bisher erlebt haben.
Vorausgesetzt, Sie sind über 1.20 Meter groß, gesund und bei normalen Kräften, können Sie Ihre Schuhe auf den Haufen Flip-Flops rechts neben der Vierersitzreihe werfen und sich auf ein Achterbahnerlebnis vom Feinsten freuen, von dem Sie wahrscheinlich ohne Rücken- oder Kopfschmerzen oder blaue Flecken zurückkehren werden. Aber schnallen Sie sich gut an, denn jetzt geht es wirklich zur Sache. Noch langsam und erwartungsvoll mit den Beinen baumelnd werden Sie mit dem „Lift“  auf schwindelerregende Höhe gebracht. Dann stürzen Sie 50 Meter im freien Fall nach unten und können nun auf einer Länge von 1,2 Kilometern in sechs unterschiedlichen Loopings und Spins kopfüber alles aus sich herausschreien, was sich in der letzten Zeit in Ihnen angestaut hat.
 
Damit Ihnen danach jeder glaubt, dass Sie tatsächlich „Katun“ gefahren sind,  können Sie am Ausgang ein Foto von sich und Ihrem Sitznachbarn für fünf Euro mit nach Hause nehmen.  Während die Eltern das Souvenir kaufen, rasen die ekstatischen Teenager schon wieder die Treppe hinauf zur nächsten Fahrt. Wer einmal Katun gefahren ist, will auf jeden Fall mehr davon. Noch eine Neuigkeit. Dachten Sie, die Engländer seien die Weltmeister im Schlangestehen? Weit gefehlt. Erleben Sie die Italiener, die stoisch und mit Zeit vertreibenden Comic- oder Gesangseinlagen bis zu 90 Minuten lang vor der neuen Attraktion „iSpeed“ warten! Der Highspeed-Rollercoaster wurde erst am 20. Juni 2009 in Anwesenheit des Motorradchampions Marco Simoncelli eingeweiht. Dank  des Magnetantriebs, einer absoluten europäischen Neuheit, beschleunigt diese Achterbahn innerhalb von 2,2 Sekunden auf 100 km/h. Die flammend-roten Boliden erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und eine Höhe von bis zu 55 m. Und das mit einem g-Faktor von 4,9 g (Belastung eines Körpers durch Beschleunigung) – das ist mehr als bei einem MIG-Düsenjet beim Start.
Die „iSpeed“ ist der stärkste Thrill, den Mirabilandia für seine Gäste bereit hält. Das Projekt erforderte Investitionen in Höhe von 15 Millionen Euro. (Vielleicht gab es deshalb 2009 kein Feuerwerk mehr nach der Lasershow?) „Ein ganz unglaubliches Gefühl“, kommentierte Marco Simoncelli. „Die Startbeschleunigung ist ähnlich wie bei einem Rennmotorrad, aber die Richtungsänderungen sind phantastisch. Ich hatte eine Riesenangst am Anfang, aber die zweite Runde habe ich von Anfang bis Ende nur genossen“.
 
Diesem Erfahrungsbericht können wir uns anschließen. Nur, dass den Eltern fast die Luft weg blieb, so dass sie den Höllenritt kaum mitbekamen. Zack, flogen wir los und zack, war’s auch schon vorbei. Na ja, vielleicht hätten wir’s beim zweiten Mal mit gekriegt, aber noch mal neunzig Minuten wollten wir nicht vergeuden.  
Vielleicht lohnt sich dafür beim nächsten Mal der VPass, den es seit 2009 für einen Aufpreis gibt, um schnelleren Eintritt zu den Attraktionen zu haben. Oder man nimmt beim Verlassen des Parks das Armband für den Gratiseintritt am nächsten Tag mit und kommt noch einmal wieder. Denn alle Attraktionen, Shows und 4D-Filmvorführungen schafft man nicht an einem Tag. Auch die kleineren Gäste werden von den Mirabilandia-Maskottchen mit großer Herzlichkeit empfangen. Alle lieben Fanny, den süßen Schlappohr-Hund, den Hasen Mike und Otto. Besonders viel los ist für die bis 90 Zentimeter-Knirpse im Fantasyland. 
Zur Entspannung lädt das „Eurowheel“ ein. Das 100 Meter hohe Riesenrad ermöglicht einen Blick bis über das Meer und zur anderen Seite hin bis auf die weiche Bergkette der Appeninen  hinter San Marino. Bei Sonnenuntergang ist diese Fahrt ein besonderer Genuss.  
Der Park öffnet im April täglich von 10 bis 18 Uhr, im Juni bis 31. August von 10 bis 23 Uhr und vom 1. bis 15. September von 10 bis 18 Uhr.   
Weitere Informationen finden Sie unter www.mirabilandia.it UF  
Fotos: UF