Loslassen statt Pubertätsstress
Heidemarie Brosche: Nervenprobe Pubertät. Wie Eltern sie bestehen können
140 Seiten, broschiert, mit zahlreichen Illustrationen von Anna Luchs, 2. Auflage, Atlantis Orell Füssli Verlag, € 14,90, ISBN 783715210346
 Zum Glück gehören unsere Teenager nicht mehr zur „Bauchfrei bei Schnee und Eis - Generation“, die inzwischen hoffentlich gesund auf ihr Lebensjahrzehnt als „Twen“ zugeht. Doch auch deren Nachfolgerinnen plagen ihre Mütter mit einem neuen Trend auf dem Weg zur „Freiheit der Persönlichkeit“. Nach dem Motto „barfuss im Regen“ tragen sie ganzjährig Turnschuhe und flanieren im Winter in Minirock und T-Shirt durch Schule und Stadt. Ihre Mütter kontern, indem sie Thermosohlen in die „Chucks“ ihrer Töchter einlegen – und sich über ihre eigenen warmen Füße freuen, während sie sich beim Lesen der „Nervenprobe Pubertät“ immer mehr entspannen.
Heidemarie Brosche weiß als Mutter von drei Söhnen und Lehrerin aus eigener Erfahrung, wie das Gefühlschaos unserer „Teenies“ die eigene Gefühlslawine ins Rollen bringt. Ihr Buch gibt pubertätsgeplagten Müttern und Vätern Rückenstärkung, damit sie die wichtige, aber anstrengende Entwicklung ihrer Kinder mit Gelassenheit begleiten und selbst mitwachsen können. Die Autorin liefert keine Patentrezepte (die es auch gar nicht gibt), sondern lässt betroffene Familien zu Wort – Mütter, Väter, aber auch die Teenager selbst.
Es tut gut zu lesen, dass wir nicht allein sind mit unseren Wachstumskrisen und die Pubertät bei der überwiegenden Mehrheit der Teenies ein gutes Ende findet. Weil es aber Situationen gibt, in denen Eltern ratlos sind, liefert Heidemarie Brosche Informationen von bekannten Fachautoren wie Jesper Juul und Dr. Jan-Uwe Rogge. Oder Cheryl Benard und Edit Schaffer, die einen zeitgemäßen Blick auf die Pubertät von Jungen werfen. Denn heute ist die Mutter in dieser Phase besonders wichtig, da sie ihren Sohn in seiner Sozialkompetenz und Beziehungsfähigkeit fördern kann.
Das Buch ist ein wertvoller Begleiter, denn nur wenige Mütter und Väter von Teenagern sprechen mit anderen offen über ihre eigenen Ängste, Verletzungen und Trennungsschmerzen.
UF
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Orell Füssli Verlag
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