Gewaltprävention: Mehr Herz in der Gesellschaft
Rupert Voß: HerzSchlag. Mein Engagement für Menschlichkeit
286 Seiten, gebunden, Kösel Verlag, erschienen im Februar 2009, € 14,95, ISBN 9783466308422
„Meiner Meinung nach gebührt den Müttern, die sich ganz ihren Kindern widmen, die dafür Sorge tragen, dass die Kinder gestillt werden, dass sie die mütterliche Nestwärme erhalten, dass sie begleitet werden und immer einen Elternteil als Anlaufstelle, als emotional sicheren Hafen haben, die höchste Anerkennung. Aus der evolutionären Perspektive ist der Unterschied zwischen Mann und Frau sehr deutlich.“ Diese wertschätzenden Sätze, die Müttern in unserem Kulturraum sicher „wie Balsam“ empfinden, schreibt ein Mann, der sich als sechsfacher Vater und Sozialunternehmer für mehr Menschlichkeit engagiert. Dafür wurde er als „Visionär“ bezeichnet. Nach der Lektüre seines Buches meine ich, er ist Realist.
Denn Mütterlichkeit ist genau das, was in unserer Welt immer mehr fehlt. Stattdessen nimmt die Gewalt zu. Und da besteht ein Zusammenhang, den Rupert Voß bewusst macht.
In seinem Buch beschreibt Rupert Voß sein erfolgreiches Resozialisierungsprojekt für gewalttätige Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren. Mit seinem Team der „Work and Box Company“ konfrontiert er die jungen Männer mit ihrem Verhalten. Sie sollen in Beziehung mit sich selbst und anderen und in ihre Eigenverantwortung kommen. Rupert Voß lebt ihnen sein Lebensmotto vor: „Wir alle können weit mehr, als wir glauben. Wir müssen uns nur dafür entscheiden.“
Was hat den erfolgreichen Unternehmer, der als Schreinermeister mit einer mittelständischen holzverarbeitenden Firma begann, dazu gebracht? Diese Frage beantwortet er mit seiner eigenen Biographie, die den zweiten Teil des Buches ausmacht. Er nimmt seine LeserInnen mit in seine Vergangenheit und beschreibt seinen Weg durch Lebenskrisen und Herausforderungen. Auch über die eigenen traumatischen Erfahrungen spricht er ganz offen.
Spannend erzählt er auch aus seinem Familienalltag mit sechs Kindern. Als Mutter liest man mit Interesse von den Bemühungen des Autors, eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ mit seiner Frau Viktoria zu führen.
Der Nachhaltigkeitseffekt seines Engagements rechnet sich. 90 Prozent der zwischen 2003 und 2007 vermittelten gewalttätigen Jugendlichen wurden erfolgreich in ein normales Leben integriert. Das spart eine Menge Steuergelder, die unsere Gesellschaft viel besser für Familienarbeit einsetzen könnte, die von so vielen Menschen unentgeltlich geleistet wird.
Warum das Buch für Mütter interessant ist
Erstens, damit sie es auch Männern zum Lesen geben. Denn mehr von ihnen sollten sich mit dem Thema Männergewalt auseinandersetzen und sich in der Gewaltprävention engagieren. Die Kriminalstatistiken sprechen eine klare Sprache: Zum überwiegenden Teil wird Gewalt von Männern verübt. Rupert Voß meint, eine Verschärfung des Strafrechts bringe nichts. Die meisten Gewalttäter werden nach Verbüßung der Haftstrafe wieder straffällig. Daher„müssen wir als Gesellschaft handeln.“
Zweitens, können wir Frauen uns daran freuen, dass es auch Männer wie Rupert Voß gibt. Er zeigt, dass es auch anders geht. Das kann Mütter auch motivieren, sich bei der Erziehung der eigenen Jungs ein paar Gedanken mehr zu machen und vom eigenen Partner die Entwicklung seiner Sozialkompetenz einzufordern. Die unter anderem darin besteht, mütterliche Werte zu schätzen und zu unterstützen. In Kulturen, die Mütterlichkeit verehren, leben die Menschen bekanntermaßen viel friedlicher und zufriedener miteinander.
Jeder Gewalttäter weniger macht unsere Welt wieder sicherer für uns alle: Für Mütter und Kinder und genauso für Väter, für junge, erwachsene oder ältere Menschen.
Mit dem Erwerb des Buches unterstützen Sie die „hand in gemeinnützige AG“ von Rupert Voß mit einem Euro.
UF
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