Hebammenweisheit vom Allerfeinsten
Ina May Gaskin: Die selbstbestimmte Geburt
350 Seiten, 3. Auflage 2008, kartoniert, mit zahlreichen Abbildungen, Kösel Verlag, € 17,95,
ISBN: 9783466344772

Die Autorin Ina May Gaskin ist geprüfte und international bekannte Hebamme mit über 30jähriger Berufserfahrung und besitzt ein weltweites Renommeé als Hebamme und Autorin auf dem Gebiet der natürlichen und spirituellen Geburtshilfe. Im Jahr 1970 gründete sie mit einer Gruppe von Kolleginnen ein Geburtshaus, die „Farm“ in Summertown, Tennessee, wo sie immer noch mit ihrem Mann lebt.
Das Projekt für natürliche Geburt erregte große Aufmerksamkeit. Inzwischen fanden in diesem Geburtshaus über 2200 Geburten statt. Eine 1994 veröffentlichte Statistik belegt, dass die Farm eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate und weniger Komplikationen bei Geburten im Vergleich zu schulmedizinischen Entbindungsmethoden aufweist. 94,5% der Geburten auf der „Farm“ erfolgen spontan.
Erstmalig wurde eine Geburtshilfemethode nach einer Frau benannt. In ihrem neuen Buch stellt Ina May Gaskin die „Gaskin - Methode“ der natürlichen Geburt als Gesamtwerk vor.
Im ersten Teil ihres Buches lässt sie zunächst zahlreiche Frauen zu Wort kommen, die über ihre persönlichen Geburtserfahrungen berichten.
In Teil 2 schildert sie den Geburtsvorgang aus ihrer Perspektive und stellt ihre Methode der Schwangerschaftsvorsorge, Geburtsvorbereitung und Geburtshilfe im Unterschied zur schulmedizinischen Herangehensweise sowie verbreitete Vorurteile detailliert dar.
Sie erklärt die Bedeutung des Zusammenspiels von Körper und Psyche in Bezug auf den Gebärvorgang, den genauen Ablauf der Geburt vom Einsetzen der Wehen bis zur Entbindung und beantwortet die Frage, warum bei den Wehen Schmerz und Ekstase so nah beieinander liegen. Den gängigen Klischees widerspricht sie, indem sie zeigt, wie eine Geburt schmerzlos und ekstatisch verlaufen kann.
Das Buch betont die Achtung vor dem eigenen Körper sowie das Vertrauen, das Frau in ihren Körper haben kann. Auch hier zeigt Ina May Gaskin, wie sehr ihr „Körperbewusstsein“ von der schulmedizinischen Sichtweise des weiblichen Körpers und seiner Fähigkeiten abweicht. In diesem Zusammenhang erläutert sie auch das von ihr aufgestellte „Schließmuskel-Gesetz“ – eine Erkenntnis, die den Geburtsvorgang enorm erleichtert.
Ina May Gaskin befasst sich auch detailliert mit der Schwangerschaftsvorsorge und Geburtsvorbereitung. Auch hier stellt sie den Unterschied zur üblichen gynäkologischen Betreuung von Schwangeren heraus. Sie erläutert die Bedeutung einer gesunden Ernährung während der Schwangerschaft. Ebenso findet die Leserin eine interessante und kritische Auseinandersetzung mit der gängigen pränatalen Diagnostik (Ultraschall, Amniozentese u. a.).
Die Autorin befasst sich schließlich mit dem Geburtsvorgang an sich - der Wehentätigkeit – und übt ebenfalls Kritik an den schulmedizinischen Interventionen wie eingeleitete Geburt und CTG (Abhören der Herztöne des Kindes). Ina May beschreibt auch, welche Routinemaßnahmen sie ablehnt und erklärt, warum (u. a. die Schamrasur vor der Entbindung, Einlauf, Fasten während der Geburt, Infusionen). Sie stellt die Gebärhaltungen vor, wie sie seit alters her von Frauen aus ihrem natürlichen Instinkt heraus praktiziert worden sind. Sie macht klar, dass es Möglichkeiten gibt, auf schmerzstillende Mittel oder PDA (Periduralanästhesie) zu verzichten. Sie gibt Empfehlungen, sich eine Geburtshelferin („Doula“) zu suchen, die die Mutter während und nach der Geburt umsorgt.
Darüber hinaus findet die Leserin Tipps für die richtige Kleidung bei der Geburt, Essen und Trinken während der Geburt sowie Hinweise für die Geburtshelfer, wie sie die Gebärende massieren oder mit anderen Handgriffen unterstützen können.
Ina May Gaskin erinnert Frauen daran, dass eine Geburt ein sexuelles Erlebnis ist, bei dem sie loslassen und unserer Natur, bzw. ihrem weiblichen Instinkt und ihrer weiblichen Intuition vertrauen können. Diese Rückverbindung der Frau an ihre ursprünglichen, weiblichen Kräfte greift sie gesondert in einem Kapitelauf, in dem sie „die vergessenen Kräfte der Vagina“ bewusst macht. Aus ihrer Erfahrung ist bei einer natürlichen Geburt in den überwiegenden Fällen ein Dammschnitt überflüssig.
Ausführlichbeschreibt sie das letzte Stadium der Geburt, das Durchtrennen der Nabelschnur, die Ausstoßung der Plazenta, den Körperkontakt von Mutter und Neugeborenem. Die Mutter sollte sich ihr Kind nicht – wie in Kliniken üblich – wegen der Erstversorgung zu schnell wegnehmen lassen. So lässt sich die bei Müttern manchmal auftretende „Postnatale Depression“ vermeiden.
Wichtig für alle werdenden Mütter sind auch die Informationen der Autorin über eine „geplante Kaiserschnitt-Geburt“ und die geschilderten Risiken für Mutter und Kind bei diesem Eingriff. Sie zeigt Müttern auch die Möglichkeit der Spontangeburt, nachdem sie bereits ein Kind per Kaiserschnitt geboren haben
Ein „Handbuch“, das sicher zur „Geburtsvorbereitungsbibel“ wird.
UF
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