Kraftquellen des Weiblichen
Kaum eine wäre besser geeignet, durch die Ausstellung „Gott weiblich“ zu führen, als die Mythen- und Symbolforscherin Dr. Vera Zingsem. Siestudierte Pädagogik, Theologie und Religionswissenschaft und arbeitet als freie Autorin und Dozentin. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Symbolik des Weiblichen in den Religionen der Welt. Dr. Vera Zingsem ist Autorin zahlreicher Bücher und Essays und erhielt im Oktober 2003 den Elle-Hoffmann-Preis.
Die Ausstellung „Gott weiblich“ basiert auf der Sammlung des Bibel + Orient - Museums der Universität Freiburg/Schweiz. Mehr als 300 Exponate aus dem alten Orient - vor allem originale Göttinnen-Statuen aus einem Zeitraum von 10 000 Jahren - zeichnen die Entwicklung des biblischen Gottesbildes in weiblicher Gestalt nach.
Nachdem diese Ausstellung vor drei Jahren in der Schweiz großes Aufsehen erregte, wurde sie 2008 in Rottenburg gezeigt und sorgte für helle Begeisterung bei Scharen von BesucherInnen.
Beatrice Grimm unterhielt sich mit Vera Zingsem über die Ausstellung „Gott weiblich“, die jetzt in Bamberg noch bis zum 3. Oktober 2010 zu sehen ist, und die weibliche Kraftquellenforschung.
Beatrice Grimm: Eine Grundlage auch zur Ausstellung ist für mich Ihr Standardwerk: "Der Himmel ist mein, die Erde ist mein ", eine einzigartig recherchierte Quellentextsammlung aus vier Jahrtausenden. Wie kommen Sie, wie kommt eine katholische Theologin dazu, so ein umfassendes Werk über die Göttinnen aller großen Kulturen zu verfassen?
Vera Zingsem: Es begann mit dem Eigen-Studium der Analytischen Psychologie C. G. Jungs, die mich zum ersten Mal in Berührung brachte mit einer Vielzahl von Göttinnen. Meine Diplomarbeit im Fach theologische Ethik habe ich dann bereits über den Individuationsprozess in der analytisch-archetypischen Psychologie und seine ethischen Implikationen geschrieben. Dabei ging es u. a. auch um die Integration des Weiblichen in ein vermännlichtes, trinitarisches Gottesbild. Von da an hat mich das Thema nie mehr losgelassen. „Bilder als innere Beweggründe ethischen Handelns“ hieß einige Jahre später der Titel meiner Doktorarbeit an der Kath. - theologischen Fakultät der Univ. Tübingen. Was mich dabei vor allem interessierte, waren natürlich die Bilder und Symbole des Weiblichen in den Kulturen der Welt in ihrem Einfluss auf die moralische Gestaltung des menschlichen Zusammenlebens. Ein Lebensthema im wahrsten Sinne des Wortes. Mir ging damals auf, dass unsere Kultur, die vom jüdisch-christlichen Gedankengut ebenso beeinflusst ist wie von der griechischen Philosophie, die die Symbolik des Weiblichen zunehmend mit der des Bösen kontaminiert hatte. Das fing ja buchstäblich schon mit „Adam und Eva“ an. Wie kann eine Kultur, die mehr als die Hälfte der Menschheit mit dem ethisch Minderwertigen - nicht nur symbolisch - verknüpft , sondern sie religiös, politisch und moralisch in die zweite Reihe verweist, für sich beanspruchen, den Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen? Wie kann es sein, dass Frauen gerade in ihrer Möglichkeit, Leben zu spenden und zur Welt zu bringen, verteufelt und enteignet werden, so dass sie bereits im alten Testament von jeder tieferen Berührung mit dem Heiligen ausgeschlossen werden? Dass ausgerechnet der Vorgang des Gebärens Frauen zu unreinen Wesen machen soll, ist die größte Niedertracht, die uns die Bibel beschert hat. Erst recht, wenn wir uns dazu noch die Geschichte(n) der Lilith, Adams erster Frau ansehen, die für mich zu einem Schlüsselerlebnis bei der Konzeption meiner Doktorarbeit wurde.
Wer jedenfalls einmal vom Nektar der Göttinen - Symbolik gekostet hat, dem werden sich die Augen öffnen, nicht für das, was einmal war, sondern für das, was wieder werden könnte und auch sollte! Und dazu brauchen wir Texte, Texte, die wir lesen, rezitieren, interpretieren können. Und dazu brauchen wir die antiken Texte, so weit noch greifbar, im Wortlaut, Texte die wir lesen, rezitieren, interpretieren können. Genau das, was uns ForscherInnen wie Göttner-Abendroth (in ihrem Buch "Die Göttin und ihr Heros" von 1980) oder v. Ranke-Graves und natürlich auch Bachofen damals vorenthalten haben. Diese Texte ausfindig zu machen und etliche von ihnen zum ersten Mal überhaupt ins Deutsche zu übersetzen, um sie so einem breiteren Publikum zugängllich zu machen, genau das war ja eines der Anliegen meines Buches. Daneben wollte ich aber auch die Entwicklung der Texte durch die Jahrhunderte verfolgen, sehen, was weggelassen wurde, was neu hinzukam. Dieses "im Wandel der Zeiten", das sich im Untertitel befindet, war und ist mir sehr wichtig. So habe ich mit meinem Buch "Der Himmel ist mein, die Erde ist mein. Göttinnen großer Kulturen im Wandel der Zeiten" ein Quellentextbuch verfasst, das diese Lücke schließen und zugleich ein differenzierteres Bild von den Göttinnen vermitteln sollte, als es bis dahin vorherrschend war.
BG: Soweit ich das überblicke, sind Sie mit Ihren hauptsächlichen Veröffentlichungen eine Quellenforscherin. Gerda Weiler hat mal gesagt: "Unsere Reise zu den Ursprüngen ist zugleich der Weg in die Zukunft." Würden Sie dem zustimmen?
VZ: Dem würde ich unbedingt zustimmen, wobei vor der Zukunft zuerst die Gegenwart kommt, und um die geht es zuallererst. Die Reise zu den Quellen bereichert vor allem unser gegenwärtiges Sein als Frauen. Quellenforscherin ist eigentlich ein schönes Wort. Viel zu lange saßen die Frauen in beinahe allen amtierenden Weltreligionen an Quellen, die ihnen kein lebendiges Wasser mehr zu trinken geben konnten. Die Schönheit der Brunnen weiblicher Weisheit und Symbolkraft war verschüttet worden. Doch wir können sie wieder freilegen, unsere Quellen, und das habe ich mir in der Tat zur Lebensaufgabe auserkoren.
Hierbei wurde mir bereits früh eine Aussage von Carol Christ wegweisend, die ich in dem Buch von Tsültrim Allione „Tibets weise Frauen“ gefunden hatte: „Die Geschichten von Frauen wurden nicht erzählt. Und ohne Geschichten gibt es keine Äußerung der Erfahrung. Ohne Geschichten ist eine Frau verloren, wenn sie in ihrem Leben wichtige Entscheidungen treffen soll. Sie lernt nicht, ihren Kämpfen Wert beizumessen, ihre Kräfte zu feiern, ihr Leiden zu verstehen. Ohne Geschichten ist sie diesen tieferen Erfahrungen ihrer selbst und der Welt, die man als spirituell bezeichnet, entfremdet. Sie ist in Schweigen eingeschlossen.“
Da tut es einfach gut, wenn man von Demeter oder Isis erfährt, sie hätten ihre Kulte u. a. deshalb gestiftet, weil sie die Erinnerung an das, was sie für die Welt getan haben, wach halten und vor allem auch ihre Leiden bewusst machen wollten. Sich und ihren Taten wollten sie ein Denkmal setzen und sich feiern lassen. Das ist etwas, was Frauen in unserer Gegenwart dringend nötig haben. Frauen halten mit ihren Kräften, mit ihrer Geduld, mit ihrer Liebe das Leben in Gang und ernten dafür nach wie vor wenig Dank und oft noch weniger Anerkennung. Weil sie auch nicht gelernt haben, beides einzufordern, weil das, was im Mittelpunkt ihres Lebens zu stehen hat, männlich sein soll. Nach ihren eigenen Werten und Geschichten wird dabei selten gefragt. Sie sind nicht kulturbildend geworden. Nicht an einer einzigen Uni-Fakultät wird so etwas wie weibliches Wissen gelehrt. Man weiß nicht mal, was das sein sollte. Und weil Frauen in unserer Kultur nicht wichtig genommen werden, halten sie sich selbst – und das, was mit ihnen geschieht - auch nicht für wichtig.
Mit den Göttinnen wird das anders. Die halten sich für wichtig und strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Welche Freude, Demeter dabei zuzusehen, wie sie Zeus vorführt. Wie sie sich die Vergewaltigung ihrer Tochter durch Hades weder aus- noch schönreden lässt, nicht „Liebe“ nennt, was doch in Wirklichkeit eine Gewalttat war. Und die darauf besteht, dass dieses Unrecht wieder gut gemacht werden muss, bevor sie je wieder etwas wachsen lässt! Demeter hat Mut, in die Einsamkeit zu gehen, sich unbeliebt zu machen, damit Unrecht nicht zu Recht wird.
So wie Demeter um die Tochter, so kämpft Isis um ihre Liebe zu Osiris. „Ich habe zwingend veranlasst, dass Frauen von Männern geliebt werden“, kann sie in einem Hymnus von sich sagen, denn sie ist „die Göttin der Frauen“, die in ihr eine vehemente Fürsprecherin haben. Auf der Suche nach ihrem Geliebten macht Isis sich „zum Mann“, um alle Gefahren siegreich zu bestehen, das heißt, sie durchbricht die Grenzen, die man ihrem Geschlecht setzen wollte. In der Not wird sie erfinderisch und baut das erste Schiff der Welt, um dem Sarg des toten Osiris übers Meer folgen zu können (was sie fortan zur Herrin der Seefahrt macht). Später nimmt sie aus dem (noch) toten Osiris das Sperma und „macht daraus den Erben“ (Horus), wie sie von sich sagt. Eine schöpferische Kraft, die selbst vor dem Tod nicht Halt macht, vielmehr das Tote, Hoffnungslose, ins Leben zurückverwandelt.
Solches Tun hat Vorbildcharakter, es kann und soll Frauen bestärken, sich selbst, ihre Gedanken und Gefühle ernst zu nehmen. Denn was ich an der jeweiligen Göttin liebe, ist ja nichts anderes als mich selbst, nur auf eine größere Leinwand projiziert.
BG: Es gilt, das weibliche Bewusstsein zu stärken. Ist das Ihr Anliegen mit PolyThea, der von Ihnen gegründeten Akademie?
VZ: PolyThea ist unsere neu gegründete „Akademie für weibliche Spiritualität und postpatriarchale Visionen“. Letztere sind uns besonders wichtig, da sie den Aufbruch in eine neue Zeit hinein bedeuten, in der wir das Patriarchat, so Göttin will, einfach hinter uns lassen, wie einen zu eng gewordenen Schuh, der uns vorher an allen Ecken und Enden be - drückte, oder wie einen vorübergehenden Ausschlag, der nun langsam zu heilen beginnt. In dieser Postpatriarchalität können sich Männer wie Frauen verbinden, denn es ist ja ein Irrtum anzunehmen, das Patriarchat sei die beste Lebensform für Männer. Nur weil Männer oberflächlich gesehen mehr von ihr profitieren als Frauen, muss sie ihnen noch längst nicht gemäß sein. Durch die Spaltung, in das, was man gemeinhin für „weiblich“ oder eben „männlich“ hält, enthält man ja beiden Geschlechtern das ganze Menschsein vor. Die Auswirkungen sind nur für beide unterschiedlich: dem männlichen – kulturell verordneten – Grandiositäts-komplex entspricht auf der anderen Seite ein weiblicher – und ebenso kulturell verordneter – Minderwertigkeitskomplex.
Deshalb ist es ja auch so schwer herauszufinden, was eigentlich „weiblich“ ist. Über Jahrtausende war es so, dass Frauen nur sein durften, was Männer nicht sein wollten. So wurde es „von oben“ verordnet, von der Theologie genauso wie von der Philosophie, wie schließlich in unserer jüngsten Vergangenheit noch von der Psychologie, allen voran Sigmund Freud und C. G. Jung. „Erst Adam, dann Eva“, überall dasselbe und gleichbleibende Denkmuster, wie es uns schon in der ältern Schöpfungsgeschichte der Bibel vermittelt wird. Immer musste sich „Eva“ mit dem zufrieden geben, was „Adam“ ihr übrig ließ. Und wie bei „Hase und Igel“ konnte Adam immer rufen: „Ich bin schon da!“ Wollte er den Helden spielen, musste sie das „schwache“ Weibchen geben, wollte er sich mit dem moralisch Guten verbinden, musste sie die Teuflische (Verführerin) werden, wollte er denken, musste sie fühlen, wollte er sich seiner selbst bewusst werden, musste sie das Unbewußte (die große und verschlingende Mutter) repräsentieren. Nur was sie aus sich heraus und aus ihrer eigenen Verfassung heraus sein wollte, danach hat schon seit mindestens drei Jahrtausenden niemand mehr gefragt. Deshalb ist es so wichtig, sich auf diese antiken Göttinnenbilder und -geschichten zu beziehen. Weil wir hier an ein Frauenbild herankommen, das nicht von unserer monotheistischen Kultur vorgedeutet ist, eben weil es schon lange vor ihr entwickelt wurde. Diese Selbstverständlichkeit, mit der etwa eine Inanna von sich sagen kann „der Himmel ist mein, die Erde ist mein, ich bin die Heldin!“ Oder wenn es von Isis heißt: Sie war „eine weise Frau, ihr Spruch war erlesener als der von Millionen Göttern, sie hatte tiefere Einsicht als Millionen Geister. Es gab nichts, was sie nicht gewusst hätte, im Himmel und auf Erden.“ Und es ist eben nicht nur ein Bild des Weiblichen, das hier vermittelt wird, sondern eben ein vielfältiges! Deshalb „PolyThea“ – Vielfalt der Göttin(nen), Vielfalt der Sichtweisen, beides ist ja in diesem Wort enthalten.
PolyThea geht es um die Wiedergewinnung der Vielfalt auf sämtlichen Ebenen des Lebens, weg aus den Begrenzungen, die uns die Monokultur auferlegt (ein Weg, eine Wahrheit, ein Ritus). Wobei wir natürlich das größte aller Tabus brechen: die Abkehr vom Monotheismus, der immer als die Krone der menschlich-geistigen Entwicklung dargestellt wird, hin zum als minderwertig verachteten „heidnischen“ Polytheismus! Dabei beziehen wir uns auch hier auf die Symbolik einer großen Göttin zurück, die immerhin auch in unseren Breitengraden hoch verehrt wurde: Isis, die sogar in ihrem Tempel zu Köln (4. Jhd. n. Chr.) als „die mit den vielen (tausend) Namen“ verehrt wurde, die der ganze damals bekannte Erdkreis unter tausend verschiedenen Namen und Formen anrief! Und die deshalb nie missionieren musste, da sie sich in dieser Vielfalt wiedererkannte. Isis, die von sich sagt: „Ich bin die Göttin der Frauen, ich bestimmte, dass Frauen von Männern geliebt werden!“ Wie weit sind wir heute von derlei Sätzen entfernt! Aber immer noch nah genug, dass sie uns auch heute noch in unserem Sein ergreifen können.
Das, was „weiblich“ sein könnte, ist in den patriarchalischen Kulturen so unbewusst geworden wie Lilith, jene eigen- und widerständige „erste Frau Adams“, die ja lange nur noch als Spukgestalt durch unsere Träume geistern durfte. Deshalb lässt sich auch so schwer sagen, was „weiblich“ ist. Der Gang in die Tiefe, den du da ansprichst, der ist sicher weiblich, sonst würden wir ihn nicht in allen Göttinnen-Mythen auf die eine oder andere Weise finden. Und dass Männer sich in Scharen in diese Mysterien einweihen ließen, bei den Demeter-Riten sogar in Frauenkleidern! Dies entspricht auch den Forschungen in der Ethnologie, wonach sich die Initiationsriten für Männer zunächst an den Einweihungsstufen der Frauen orientiert haben. Wie wir es zum Beispiel bei der männlichen Beschneidungspraxis sehen. Die hatte ihren Ursprung offensichtlich in der Imitation der ersten Menstruation bei den Mädchen und wird ja bis heute vielerorts erst an 13-14jährigen Jungen vollzogen. In den Schöpfungsgeschichten der Diné (Navajo) wiederum wird der Initiationsvorgang bei den jungen Männern ganz bewusst als Angleichung an den Vorgang des Gebärens gesehen! Da Männer keine Kinder hervorbringen können, müssen sie andere Möglichkeiten finden, ihrer Gemeinschaft selbstlos zu dienen.
Ansonsten gilt es, „weiblich“ wieder neu zu entdecken, was ich durchaus als einen kreativen Vorgang betrachte, den sich „PolyThea“ auf die Fahnen schreibt. Wir sollten uns immerhin vor Augen halten, dass an dem, was in unserer Kultur als weiblich gilt, keine Frau mitgewirkt hat. Frauen waren vom theologisch/ philosophischen Diskurs jahrtausendelang ausgeschlossen und mussten sich immer wieder sagen lassen, dass ihr „Spatzenhirn“ zur Erfassung komplizierter Gedankengänge nicht ausreichte. Was weiblich war, das hatten nicht sie zu bestimmen, sondern wurde über ihren Kopf hinweg bestimmt. Also hat sie heute keinen Grund, sich mit dem, was „mann“ „weiblich“ nennt, zu identifizieren. Mit dem Männlichen, das ihr immer als höherwertig und daher unerreichbar vor die Nase gehalten wurde, kann sie sich allerdings auch nicht so ohne weiteres identifizieren. Weil dieses Männliche sich nur in Abgrenzung vom Weiblichen überhaupt entwickelt hat, würde sie das erst recht in die Selbstentfremdung treiben. Also haben Frauen allen Grund, sich auf Entdeckungsreisen zu begeben, um endlich das zu erforschen, was man ihnen über die Jahrtausende vorenthalten hat: sich selbst. Ziele, die PolyThea e. V. langfristig verfolgt, sind daher zwei groß angelegte Projekte: Erstens ein Institut "Weltethos für Frauen" und zweitens ein "Tempel für die Göttinnen".
BG: Eine Entdeckungsreise, die Mut macht und für Frauen identitätsstiftend sein kann, ist die Ausstellung „Gott weiblich“, zur Zeit in Bamberg. Wir sind uns in Rottenburg begegnet. Ihre Führung durch diese Ausstellung war ein einmaliges Erlebnis und hat die Ausstellung erst in ihrem wirklichen Glanz aufleuchten lassen. Es gibt jetzt wieder die Möglichkeit, von Ihnen durch „Gott weiblich“ geführt zu werden. Was ist für Sie das wichtigste an dieser Ausstellung?
VZ: Was mich an den gezeigten Figurinen so begeistert ist, dass sie lebendige Anschauungsobjekte, fast müsste man schon sagen -subjekte zu meinem Buch über die „Göttinnen großer Kulturen“ sind. All diese großen Göttinnen, die ich in meinem Buch – auch über die wunderschönen Quellentexte - vorstelle, erwachen für mich in der Ausstellung noch einmal zu ganz neuem Leben. Es kommt mir vor wie eine große Familie, in deren Mitte ich plötzlich aufblühen kann. Und dann sprudelt alles nur so aus mit heraus, und ich lasse mich zu Aussagen inspirieren und zu Querverbindungen hinreißen, von denen ich vorher kaum ahnte, dass ich sie machen würde. Deshalb dauern meine Führungen auch immer so lange, unter zweieinhalb Stunden geht es einfach nicht, und dann bin ich noch längst nicht am Ende mit dem, was ich vermitteln möchte. In Rottenburg habe ich mich manchmal gefühlt wie in einem Rausch, wie in Ekstase, und je mehr Führungen ich machen konnte, umso schöner wurde es. Hier hätte ich meine Lebensaufgabe finden können. Diese Führungen sind genau das, was mir zu meinem Glück noch fehlte, ich konnte im Grunde gar nicht genug davon kriegen und war richtig traurig, als die Ausstellung zu Ende ging. Es war natürlich auch ideal, dass ich so nah bei Rottenburg wohnte. Da konnte ich schnell mal hinfahren und auch spontan führen.
Bamberg ist für solche spontanen Geschichten leider zu weit weg. So stelle ich nun lieber von mir aus Gruppen von Interessierten zusammen, die sich bei mir anmelden können und dann von mir eine Sonderführung von zwei bis drei Stunden erhalten. Ohne zu übertreiben kann ich von mir sagen, dass ich auf dem Gebiet, das bei „Gott weiblich“ gezeigt wird, absolute Expertin bin und auch viel mehr an Zusammenhängen aufzeigen kann, als etwa im Katalog zur Ausstellung vermittelt wird. Wer also bei einer solchen Führung mitmachen oder eine eigene Gruppe von Interessierten zusammenstellen möchte, darf sich gerne bei mir melden.
BG: Danke, Vera Zingsem, für diese umfassenden Ausführungen.
BG
Unsere Rezension zu Vera Zingsem: "Der Himmel ist mein, die Erde ist mein“ finden Sie hier.
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Vera Zingsem
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