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Tanz in die Weiblichkeit

Heide-Marie Heimhard ist Bühnentänzerin, Seminarleiterin und Autorin. Sie unterrichtet den ägyptischen „Raqs Sharqi“ als weiblichen Heilungsweg. Dabei begleitet die erfahrene spirituelle Lehrerin Frauen bei der Entfaltung ihrer Weiblichkeit.

Frauen sind mit einer außerordentlichen Fähigkeit zum Glück begabt und von Natur aus liebende und erleuchtete Wesen. Das ist das Geschenk der weiblichen Natur: Ein Seinszustand der Liebe, der Fülle und der All-Einheit. Es gibt nichts zu erreichen, alles ist bereits da. Wenn Frauen an sich glauben und aufhören, männliche Wege zu gehen, finden sie zu sich selbst zurück. Entgegen allen Botschaften, die Frauen bereits mit der Muttermilch aufnehmen, ist das Frausein etwas Wunderbares, zutiefst Beglückendes.

Warum "weibliches" Glück
Glück wird im Allgemeinen sehr pauschal definiert. Natürlich gibt es ein Glück, das beide Geschlechter miteinander teilen – etwas nüchtern gesprochen sind das die Glücksmomente, die die Schnittmenge des Allgemeinmenschlichen umfasst. So erfreuen sich Männer wie Frauen am Anblick des jeweils anderen Geschlechts, an den Augen eines Kindes, am Duft einer Blume, an einem atemberaubenden Panorama in den Bergen.
 
Keine Frage, es gibt viele wundervolle Momente, in denen Glück allein oder in Verbundenheit tief erfahren wird. Doch es gibt eine Lebensfreude, die ganz eng mit dem eigenen Geschlecht verknüpft ist.

Frau zu sein bedarf es wenig
Und wer Frau ist, ist eine Königin! Es ist so einfach, und dennoch erscheint es vielen Frauen so schwer: zurückzufinden zu einer natürlichen Weiblichkeit im Einklang mit dem eigenen Körper und seinen Zyklen sowie den kosmischen Rhythmen. Aus dieser Verwurzelung – auch religio (lat.) bzw. Rückbindung genannt – erwächst die weibliche Liebes- und Hingabefähigkeit.
 
Glück ist nicht geschlechtsneutral! Wenn für den Menschen im Allgemeinen gilt, dass er dann am glücklichsten ist, wenn er ganz er selbst ist, dann gilt für die Frau im Besonderen, dass sie dann erfüllt ist, wenn sie ganz Frau sein kann. Das Glück einer Frau ist also ein zutiefst weibliches.
 
Es kann gar nicht oft genug gesagt werden: In der Annahme der eigenen Weiblichkeit liegt für die Frau der Schlüssel zum Glück. Das ist die Essenz weiblicher Spiritualität.

Entfremdung der Frau von sich selbst
Ein erfülltes weibliches Leben wünscht sich jede Frau. Doch leider empfinden viele von ihnen – darunter eine alarmierende Anzahl junger Frauen – ihr Leben wenig freudvoll und fühlen sich ihrer eigenen Weiblichkeit entfremdet. In einer patriarchal dominierten Kultur bzw. einer Gesellschaft, in der nach wie vor einseitig männliche Werte wie Disziplin, Leistung und Erfolg vorherrschen, ist die Vermännlichung von Frauen nahezu normal, die „weibliche Frau“ dagegen fast schon eine Rarität.
 
So legt das besonders unter Frauen beliebte Modewort „Zicke“ ein trauriges Zeugnis davon ab, wie verachtend vermännlichte Frauen auf ihre Artgenossinnen herabblicken. "Zickenkrieg" gibt es nur aus der Perspektive von Frauen, die ihre Balance und weibliche Würde vollkommen verloren haben und dies ungehemmt in die Welt projizieren, die blind und taub geworden sind für die seelische Not in sich selbst und in anderen.
 
Der „kleine Unterschied“ in der Spiritualität
Wenn eine ihrer Weiblichkeit entfremdete Frau sich auf die spirituelle Suche nach sich selbst begibt, findet sie zwar ein breites Angebot vor, aber es ist dominiert von männlichen Wegen. Weibliche und männliche Zugänge zur Spiritualität unterscheiden sich jedoch fundamental.

Das Wissen um den „kleinen Unterschied“ war in früheren Zeiten und Kulturen selbstverständlich, wird aber heute nur selten berücksichtigt oder als nebensächlich betrachtet. Für die Frau bedeutet dies eine Schwächung ihrer spirituellen Kraft, da sie auch unter den alternativen Wegen fast nur solche findet, die von Männern für Männer entwickelt wurden.
 
„Vermännlichte“ Körpertechniken
So entstammt beispielsweise das sehr populär gewordene Yoga einer männlichen Tradition und ist ursprünglich auf einen maskulinen Körper und sein Energiesystem zugeschnitten. Abgesehen davon, dass es bei vielen Frauen überhaupt erst einmal darum geht, Zugang zu einer lustvollen Sinnlichkeit zu finden, kann es passieren, dass sie sich durch eine einseitige „männliche“ Yogapraxis noch mehr von dieser Quelle weiblicher Lebensfreude entfernen.
 
Was es für westlich geprägte Frauen dennoch so attraktiv macht, ist die östliche Aura des Yoga: Zu lernen, überhaupt erst einmal bei sich zu sein, aus einem verkopften Zustand auszubrechen und den eigenen Körper intensiv zu spüren, ist zweifelsohne eine Wohltat für Frauen, die einen Lebensstil pflegen, der aus zu viel Aktivität, Zerstreuung und Arbeit besteht.
 
Da die meisten Frauen sowieso schon sehr kontrolliert sind und nahezu perfekt funktionieren, wäre es für sie jedoch sinnvoller, eine spirituelle Praxis so auszuüben, dass diese Überstrukturiertheit nicht noch verstärkt, sondern aufgeweicht wird. Dann käme die Frau in Kontakt mit der femininen Urenergie in sich, mit der Qualität des Fließen- und Geschehenlassens, mit ihrer Wildheit und Ekstasefähigkeit.

Bauchtanz als scheinbare Alternative
Findet Frau nun zum Bauchtanz – wie der orientalische Tanz als Showtanz gemeinhin bezeichnet wird –, trifft sie auf eine seltsame Mischform: einen ursprünglich weiblichen Tanz, der im Männlichkeitsmodus getanzt wird und von seinen spirituellen Wurzeln abgetrennt ist. Das ist sehr verwirrend für die weibliche Seele.

Einerseits kommt etwas in der Frau nach Hause, andererseits bleibt ein Teil von ihr auf Distanz, weiß aber nicht so recht, warum. Frauen sind männliche Methodik – technisch, verkopft, isoliert – so gewohnt, dass ihnen kaum auffällt, wie hier ein östlicher (weiblicher) Tanz in westlicher (männlicher) Manier unterrichtet und getanzt wird.
Auch im Bauchtanz als Showtanz bleibt die Frau also durch das vorherrschende Leistungs- und Technikprinzip weitestgehend getrennt von ihrer weiblichen Essenz. Diese wird – wie im "normalen Leben" auch – durch Koketterie, Sexyness, aufwendige Fassadenkunst und technische Raffinesse ersetzt. Aber fehlende weibliche Substanz kann durch nichts ersetzt werden. Etwas in der Frau bleibt unerfüllt und leer.

Getanzte Weiblichkeit und Lebensfreude
Wo kann eine Frau also lernen, aus sich selbst heraus erfüllt zu sein und einfach in ihre weibliche Seinsqualität hinein zu entspannen? Überhaupt erst mal damit in Kontakt zu kommen?

Der orientalische Tanz, der den Geist uralter Frauenkultur und weiblicher Spiritualität atmet, ist durchaus eine heiße Fährte. Innerhalb des orientalischen Tanzes gibt es eine weniger bekannte Stilrichtung, die sich in Abgrenzung zum Showtanz entwickelt hat, genannt Raqs Sharqi. Wenn dieser sehr erdige und natürliche Tanz, der vom Showballast befreit wurde, mit einer feminin-spirituellen Ausrichtung unterrichtet und getanzt wird, ist er eine unvergleichliche Quelle weiblicher Lebensfreude.

Das Genussprinzip ist dabei entscheidend: Die femininen Energien kommen durch Bewegungen, die auf den weiblichen Körper und seine Formen zugeschnitten sind, auf spielerische und lustvolle Weise ins Fließen. Das ist das Gegenteil von Kontrolle und für viele Frauen so ungewohnt, dass es zunächst Angst macht. Das Verbot, weiblich zu spüren, ist buchstäblich eingefleischt und sitzt tief. Hinzu kommt die Furcht, von der gesellschaftlichen Norm abzuweichen und entsprechend behandelt zu werden.

Heilsamer Tanz
Frauen, die sich auf die spirituelle Praxis des Tanzens einlassen, werden reichlich belohnt: Wenn sie die Kontrolle aufgeben, können sie die heilsame Erfahrung machen, von einer Kraft getragen und durchströmt zu werden, die sie zutiefst erfüllt. Wenn eine Frau durch das Tanzen lernt, sich dem Fluss der weiblichen Urenergie anzuvertrauen, hat das natürlich wunderbare Auswirkungen auf ihr ganzes Leben – vor allem auch auf ihre Liebesbeziehungen. Ein Leben aus der weiblichen Essenz heraus bringt alles mit sich, was sich eine Frau im tiefsten Innern wünscht.

Der ägyptische Raqs Sharqi als der weiblichste aller Tänze ist eine anmutige und ausdrucksstarke Kunstform, doch es geht letztlich nicht um diesen selbst, sondern um die weiblichen Qualitäten, die im Tanzen befreit und ausgedrückt werden. So banal es klingen mag – auch hier gilt: üben, üben, üben! Dann fällt irgendwann der Zwang des ständigen Denkens und der angstvollen Kontrolle einfach ab wie eine alte Haut.

In all den Jahren, die ich diesen Tanz in Verbindung mit dem weiblichen Spüren tanze und weitergebe, ist für mich das unverwechselbare Leuchten der Frauen nach dem gemeinsamen Tanzen immer wieder sehr berührend. So soll es sein – so strahlend schön und voller Lebensfreude hat die Göttin uns gemeint!

HMH/UF

Informationen über die Seminare mit Heide-Marie Heimhard bei: info.dancingsoul@yahoo.de
Telefon: 089 36 00 67 45 oder 0176 28 58 21 77

Ab 5. März 2012 beginnt ein neuer Raqs Sharqi - Kurs in München, Studio Taqsim.

Sommer-Tanzwoche 2012 vom 27. Juli – 1. August 2012 in Berg am Starnberger See

Raqs Sharqi-Jahreskurs 2012 in Laufen (Raum SALZBURG):
11. Februar 2012, 10. März 2012, 22. April 2012, 5. Mai 2012, 16. Juni 2012

Raqs Sharqi-Jahreskurs im KOBI in DORTMUND:
14./15. April 2012 und 27./28. Oktober 2012

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Heide-Marie Heimhard