Her mit den Komplimenten!
Regina Först, zweifache Mutter und Textil-Betriebswirtin, ehemalige Verkaufsleiterin bei H + M und Personalchefin bei New Yorker, erlebte eine schwere Krise. Heute lebt sie nach dem Motto„durchatmen, auftanken, durchstarten.“ 2002 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Ausstrahlung. Wie ich mein Charisma entfalte". 2004 rief sie den Verein „Heute ist ein Lächeltag e.V.“ ins Leben. Ihr langjähriger Freund, der bekannte Körpersprachelehrer Samy Molcho inspirierte sie zum Neustart in ihrem individuellen „Lebenshaus“. Ursula Fournier sprach mit Regina Först darüber, wie wir unsere Wirkung erkennen und „ausstrahlen“ können.
Frau Först, was macht für Sie die „Ausstrahlung“ eines Menschen aus?
Jeder Mensch besitzt „Ausstrahlung“, die aus „Selbstannahme“ und Selbstliebe resultiert. Für mich bedeutet das: Sich annehmen, wie man ist. Dann taucht das „innere Lächeln“ auf.
Sie erinnern daran, dass wir uns oft "fremd gesteuert" erleben. Was bedeuten unsere „Glaubenssätze“ oder „Programmierungen“ in diesem Zusammenhang?
„Fremd gesteuert“ zu sein führt bei Erwachsenen und auch schon bei Kindern immer häufiger zu einem „Burn-out“. Einerseits brauchen wir Regeln dafür, wie wir miteinander umgehen. Andererseits sind „Glaubenssätze“ keine „Wissenssätze“. Sie werden oft gar nicht hinterfragt. Doch wenn wir sie überprüfen und uns bewusst machen, können wir sie „umprogrammieren“.
Die Forschung hat erwiesen, dass sich das Gehirn jederzeit neu „programmieren“ lässt?
Die Synapsenverbindungen im Gehirn verändern sich, wenn wir dem alten Glaubenssatz etwas entgegensetzen. Aus der Gehirnforschung weiß ich, wie viel möglich ist, sofern die Bereitschaft besteht, die alten Muster zu aufzugeben.
Sie sagen: „Wir müssen gar nichts“. Aber wie bringen wir als Mütter unsere persönlichen Bedürfnisse mit den Anforderungen des Familienalltags in Einklang?
Wir können uns fragen: „Für wen tue ich es? Mache ich es aus Angst oder aus Liebe?“
Wenn ich mich entscheide, Mutter zu werden, weiß ich, jetzt geht es erst einmal um mein Kind, das meine Begleitung braucht. In den ersten Jahren stehe ich im Hintergrund. Aber es ist ein Geschenk, wenn ich liebe, was ich tue. Kinder werden so schnell groß, da bleibt dann wieder mehr Zeit für mich.
Ich hatte zum Beispiel keine Zeit, Dinkelbrötchen für die Waldorfschule zu backen und hatte oft ein schlechtes Gewissen. Aber die Frage ist doch: „Mache ich es, weil ich mein Kind liebe oder damit sie in der Schule gut über mich denken?“
Mütter zu Hause haben oft das Gefühl, als wären sie gegenüber außerhalb der Familie arbeitenden Frauen „minderwertiger“. Wie können sie ihren „Auftritt“ verbessern?
Frauen können schlecht „nein“ sagen. Deshalb machen sie Dinge, die sie eigentlich nicht tun wollen und sind dann frustriert. Mütter haben oft das Gefühl, dass sie nur noch dafür da sind, andere zu bedienen.
Aber ich kann immer etwas für mich tun und mich als Königin zeigen. Auch in meiner Art, mich zu kleiden, selbst wenn die Kleidung einer Mutter manchmal zweckmäßig sein muss. „Ich bin „nur“ Mutter“ führt zu einer ganz anderen Ausstrahlung als „Ich bin so stolz, Mutter zu sein.“
Ich habe meine zwei Kinder viele Jahre lang allein groß gezogen. Anfangs war ich sehr empfindlich, wenn mir jemand zum Beispiel vorgeworfen hat, dass ich nicht beim Elternabend war.
 Irgendwann habe ich entschieden, anders zu reagieren: „Toll, ich bin in der Lage meine Kinder alleine zu erziehen, Geld zu verdienen und eine liebevolle Mutter zu sein.“ Wenn dann jemand zu mir gesagt hat: „Du warst nicht beim Elternabend“, habe ich geantwortet: „Vielen Dank, dass du darauf achtest, ob ich da bin. Ich hatte einen anderen Termin.“
Wie reagieren Sie persönlich auf Komplimente?
Ich freue mich, nehme sie an und bedanke mich.
Sehr schön finde ich die Überschrift in Ihrem Buch: „Glaub an Wunder, weil du selbst eines bist“. Gelingt das auch, wenn im Leben gerade etwas schief läuft?
Wer sagt, dass es schief läuft? Menschen wachsen durch Probleme. Ich sage: „Das will ich anders haben.“ Ich habe Vertrauen ins Leben, dass das, was mir widerfährt, mir hilft, meinen eigenen Diamanten zu polieren.
Dafür brauche ich den „Adlerblick“ mit dem ich wahrnehmen kann, ob sich eine Enttäuschung oder ein Verlust in meinem Leben wiederholt. Wiederholungen sind für mich wunderbare Wegweiser: Das Schicksal klopft zum wiederholten Male an und möchte, dass ich begreife, was es zu lernen gibt.
Frauen neigen dazu, sich mit „Wiederholungsgedanken“ zu beschäftigen. Der Körper kann nicht unterscheiden, ob wir etwas erlebt haben oder in fünf Jahren erleben werden. Die Reaktion - zum Beispiel die Ausschüttung bestimmter Hormone - findet immer in der Gegenwart statt. Daher arbeite ich nur zu zehn Prozent an einem Problem und zu neunzig Prozent an Lösungen.
Ein anderer Positiv-Satz von Ihnen lautet: „Im Problem hält sich immer schon die Lösung verborgen.“ Wie nähern wir uns unseren Lösungen?
Wo das Problem ist, ist immer auch die Lösung vorhanden. Solange ich das Problem betrachte, verbirgt sich die Lösung hinter meinem Rücken.
Wenn ich meine Perspektive verändere und meinen Blick auf das Gegenteil richte, lautet die Frage: „Was sind die nächsten Schritte, um es zu erreichen. Die Lösung ist immer das Gegenteil von dem unerwünschten Zustand.
Sie bieten Coaching für Führungskräfte an. Mütter sind Führungskräfte. Da Sie selbst Mutter sind, haben Sie für Mütter noch ein paar Tipps aus Ihrem Erfahrungsschatz?
Ich finde es wichtig, dass sich Mütter als Führungskräfte anerkennen, die ihre Kinder selbstbewusst ins Leben begleiten.
Gleichzeitig können sie sich an den Spielregeln der Kinder orientieren, denn Kinder sind sehr weise. Durch meine Kinder komme ich auch in mein eigenes Kind-Sein. Mit einem Kind kann ich für hundert Meter zwei Stunden brauchen, aber dabei die ganze Welt entdecken.
Für Erwachsene ist es das größte Geschenk, im Augenblick zu sein. Was die Buddhisten lehren, machen Kinder ganz natürlich. Die Abendgespräche, das Kuscheln, die Nähe, die unsere Kinder uns bieten, tun auch uns gut - wenn wir uns darauf einlassen.
Frau Först, Sie haben auch von Ihrer Tochter gesprochen, daher kennen Sie sicherlich die Teenager-Zeit, in der sich bildhübsche Mädchen oft gar nicht schön finden. In Extremfällen tragen sie sich mit Gedanken an eine Diät oder sogenannte „Schönheitsoperation“, die in Wirklichkeit völlig unnötig ist. Was sollten Mütter ihren Töchtern sagen, wenn diese zu selbstkritisch sind?
Im Teenager-Alter orientieren sich die Jugendlichen sehr an den Freundinnen und Freunden. Für mich war es als Mutter wichtig zu lernen, mich nicht mehr so stark einzumischen, also zum Beispiel nicht soviel hinterher zu räumen.
In der Pubertät geht es nicht um „Zwangsbeglückung“.
Wenn meine Tochter nicht reden möchte, akzeptiere ich ihr „Nein“. Als Mutter begegne ich ihr mit Verständnis und spreche in Ich-Botschaften. Ich könnte also sagen: „Ich sehe, dass du das Gefühl hast, nicht schön genug zu sein. Ich erlebe dich als wunderschön.“ Bei Du-Botschaften wie „Du bist doch hübsch“ gehen die Ohren sofort zu.
Der zweite wichtige Punkt ist, den jungen Mädchen zu erklären, dass uns von den Medien eine Scheinwelt vorgegaukelt wird. Eine Visagistin, die auch schon mit Heidi Klum gearbeitet hat, hat mir erzählt, dass Topmodels ganz normale Schönheitsfehler haben. Eine Mutter könnte ihrer Tochter also auch sagen: „Von Models gibt es nur bearbeitete Fotos.“
In der Pubertät brauchen Mütter viel Humor, starke Nerven, keine Diskussionen und kurze, klare Ansagen.
Frau Först, vielen Dank für diese positiven Anregungen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viele so erfrischend authentische „Auftritte“, wie ich Sie mit Ihnen erlebt habe.
UF
Von Regina Först ist das Buch „Ausstrahlung. Wie ich mein Charisma entfalte“ erhältlich. Brandneu ist ihr neues Buch „People Först. Sieben Business-Gebote“ (beide im Kösel Verlag erschienen).
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Regina Först; Mitte: CG
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