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Männer, die sich bei den Frauen entschuldigen wollen

Seit kurzem kursiert das „Manifest für bewusste Männer“. Das Original stammt von Arjuna Ardagh, dem Mann von Chameli Ardagh, der Impulsgeberin für die Frauentempelabende und die Praxis einer weiblichen Spiritualität. Zusammen mit Gay Hendricks verfaßte er den Text als einen Schritt der Entschuldigung und Versöhnung mit den Frauen.
 
Eine schöne Geste, die von unbewussten Männern leider in den „Sieg des Feminismus-Eintopfs“ untergerührt wird. Die Aktion von Arjuna und Gay ist es auf jeden Fall wert, Männer zu ermuntern, sich weiter auf diesen Erkenntnisweg zu machen. Immerhin haben zwei von ihnen einen guten Anfang gemacht.
 
Zur Weiterentwicklung gleich ein paar Tipps. Die Übersetzung ins Deutsche, die ebenfalls von Männern angefertigt wurde, trifft in der Überschrift nicht ganz zu. Das Manifest ist nach meinem Verständnis als eine öffentliche Erklärung „von Männern“ gedacht, „die sich bewusst geworden sind“, was aufgrund ihrer Patriarchalisierung bei ihnen, in ihren Beziehungen und ihrer Lebensweise schief läuft.
 
Verdreht ist nach meinem Empfinden auch, dass es „Manifest für Männer“ genannt wird, obwohl es sich an die Frauen wendet. Ist. Daher wäre es mir als Frau angenehmer, wenn es „Manifest von Männern, die sich auf den Weg zur Bewusstheit gemacht haben“ oder so ähnlich hieße. Oder einfach nur „Männer, die sich bei den Frauen entschuldigen wollen“. Das wäre kurz und bündig, verständlich und geradlinig an uns Frauen gerichtet.
 
Was ich auch nicht nachvollziehen kann, sind die Abschnitte über das „Weibliche in uns allen“. Dieses Konstrukt  sagt mir nichts. Weiblich sind für mich nur Frauen, männlich nur Männer. Die Theorien von „männlichen Anteilen“ in Frauen und „weiblichen Anteilen“ in Männern halte ich für patriarchal konstruiert. Die inneren Kräfte, die damit gemeint sind, könnten anders definiert werden.
 
Diese Einfühlung müssen Männer entwickeln, um sich wirklich angemessen ausdrücken zu können, wie sie in ihrer Erklärung selbst einräumen. In der von Arjuna Ardagh genehmigten Übersetzung von Heinz Robert folgt eine Mütterblitz-Auswahl einiger lesenswerter Passagen:
 
„Liebe Frau,
Ich komme heute zu dir als ein Mann, der sich dazu verpflichtet hat, in jeder Hinsicht bewusster zu werden. Ich fühle tiefe Liebe, großen Respekt und wachsendes Gefühl der Verehrung für die Geschenke des Femininen. Ich fühle auch tiefe Traurigkeit über die destruktiven Taten des unbewussten Maskulinen in der Vergangenheit und der Gegenwart. Ich entschuldige mich für diese Taten und möchte dies wiedergutmachen, um eine neue Ära der Ko-Kreation mit dir herbeizuführen
.
Ich anerkenne, dass die Religionen der vergangenen zig-tausend Jahre hauptsächlich von Männern gegründet und verbreitet wurden. Wir haben oft so gehandelt, als wenn wir das letzte Wort über Gott und das spirituelle Leben haben, obwohl wir nur über die maskuline Ausdrucksweise dieser Dinge bescheid wussten. Als Resultat haben wir tiefer fühlende, verbindende und inklusivere Spiritualitäten unterdrückt. Ich verpflichte mich nun, dass ich auch die Spiritualität des göttlichen Femininen verehre.
 
Ich verehre deine tiefe Verbindung zur Erde. Als Männer war die Beziehung zu unserem Planeten und seine Ressourcen oft motiviert von Konkurrenzdenken, Aneignung und Dominanz. Wir haben missverständlich angenommen, dass Expansion uns vor Übergriffen schützen würde, und in diesem Prozess schändeten wir die Heiligkeit der Erde und brachten deren natürlichen Rhythmus durcheinander. Ich verpflichte mich, deinem Feingefühl zuzuhören, das unseren Planeten heilen und zum gedeihen bringen kann.
 
Ich ehre die Schönheit und Integrität deines Körpers. Wenn wir uns gegenseitig durch unsere Körper mit Achtsamkeit und Hingabe nähren, sind da keine Grenzen zur Liebe, die wir generieren können. Ich fühle Trauer darüber, dass Männer deine Schönheit in Prostitution und Pornographie ausgenutzt haben. Im Griff der Lust fehlte uns oft die Fähigkeit anständig nach Intimität zu fragen oder ein „Nein“ als Antwort zu akzeptieren. Ich wende mich gegen jede Form von erzwungener oder seelenloser Kommerzialisierung weiblicher Schönheit, und ich respektiere, dass dein Körper dir gehört.
 
Ich ehre deine Fähigkeit zur friedvollen Lösung von Konflikten, deine Begabung, sich effektiv zu entschuldigen und mit Charme zu vergeben. Wir Männer führten endlose Kriege über unsere Unstimmigkeiten. Beim Verteidigen unserer Ländereien und Schützen unserer Familien, sind wir süchtig geworden auf das Kämpfen an sich. Es ist vergleichsweise schwierig, eine Invasion oder einen Krieg zu finden, der von einer Frau angestiftet wurde. Ich entschuldige mich dafür, dich in diese Kriege mitgerissen zu haben, und für die Vergewaltigungen, die Morde, gebrochene Herzen und zerstörten Familien, die sich dadurch ergeben haben. Wir heißen deine Weisheit willkommen, eine Welt zu kreieren, die miteinander auskommt ohne auf Zerstörung zurückzugreifen.
 
Ich ehre deinen Sinn für mitfühlende Gerechtigkeit. In unserem Justizsystem haben Männer als Richter und Polizisten dominiert, Gefängnisse gebaut und verehrten die Prinzipien der Bestrafung. Ich heiße dich willkommen, mit uns daran zu arbeiten, wieder das Herz ins Justizsystem zu bringen.
Ich weiß auch, dass globale Ökonomie durch das unbewusste Maskuline dominiert wurde, das oft in einem Mangel und in Gier lebte. Viele Menschen wurden dadurch verarmt und ausgegrenzt. Mit deinem natürlichen Sinn für Förderung und Überschuss, weiß ich, können wir zusammenarbeiten um eine echte fürsorglich-soziale globale Ökonomie zu kreieren.“
  UF

Das Original – Manifesto von Arjuna Ardagh und Gay Hendricks finden Sie unter
 
Informationen über Chameli Ardagh finden Sie unter www.awakeningwomen.de
 
Fotos: CF

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