Working Mum
Kinostart: 17. November 2011
Darsteller: Sarah Jessica Parker, Pierce Brosnan, Greg Kinnear, Christina Hendricks, Kelsey Grammer, Seth Meyers, Olivia Munn u. v. a.
Regie: Douglas McGrath; Drehbuch: Aline Brosh McKenna; Produktion: Donna Gigliott
Kurzinhalt
Kate Reddy (Sarah Jessica Parker), berufstätige Mutter von zwei Kindern lebt den Spagat zwischen Karriere und Kindern, der sechsjährigen Emily und dem zweijährigen Ben. Zuhause halten ihr Freiberufler-Ehemann Richard und das Kindermädchen die Stellung.
An ihrem Arbeitsplatz in einer Bostoner Fondsgesellschaft erhält Kate nur von ihrer Junior-Partnerin Momo Unterstützung. Als Kate ein großes Projekt übertragen wird, das häufige Reisen nach New York erfordert, und ihrem Mann Richard ebenfalls ein Traumjob winkt, gerät das Familienleben komplett aus den Fugen.
Doch ihr neuer Business-Partner Jack Abelhammer ist nicht nur charmant und gutaussehend, sondern der Erste, der die von einem ständigen schlechten Gewissen geplagte Mutter wahrnimmt.
Die Darstellung der Lebenssituation einer Mutter in der westlichen Konsumgesellschaft beginnt mit einem gekauften Apfelkuchen für den Schulbazar der Tochter, den Kate als „selbst gebacken“ verkauft, und endet mit einem Schneemannbau auf High Heels.
Gerade mal eine Handvoll Schneeflocken rieseln dabei über die Leinwand, was Zweifel aufkommen lässt, ob der Regisseur Erfahrung mit dieser Winterfreizeitbeschäftigung hat.
Pierce Brosnan dient als elegante Film-Staffage. Wir haben ihn kaum in einer so unterfordernden Rolle gesehen – der in grauen Flanell gehüllte Banker mit Zahnpasta-Dauerlächeln. Nicht einmal den Seitensprung darf er mit der treuen Kate vollziehen.
Warum wohl hat Sarah Jessica Parker (bekannt aus „Sex in the City“) die Rolle der Kate aus dem Roman von Allison Pearson übernommen? Angeblich, weil sie ein „Faible“ für starke Frauen hat, die vom Leben alles erwarten. Aha.
Dazu muss die geneigte Zuschauerin im Auge behalten, dass Kate eine amerikanische „Working Mum“ ist. Und die ist fest davon überzeugt, dass sie bei all der Hetze glücklich ist und alle anderen auch. Denn: Sie hat ihren Mann, den sie so liebt, zwei bezaubernde Kinder, die sie so liebt, und den Job, den sie so liebt …
Als ihre aus Überzeugung bisher kinderlose Kollegin Momo schwanger wird, empfiehlt Kate ihr, das Kind zu bekommen, da ihr „Kinder so viel Freude machen.“ Fragt sich, wann? Beim Gute-Nacht-Kuß via Handy?
Ist Kate nun ein Vorzeigemodell, ein abschreckendes Beispiel oder eine Trend-Mitläuferin? Auf jeden Fall ist sie „politisch korrekt“. Sie steht dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung und erhält auch noch mehrere andere Arbeitsplätze: Mindestens ein Gehalt der Doppelverdiener-Familie geht für die Nanny, Babysitter, Taxis, Handy-Kosten und Flugtickets drauf (unter Klimaschutz-Aspekten nicht gerade vorbildlich, aber wie gesagt, der Film spielt in den USA.)
Die Preview besuchten mit mir die Vertreterinnen des jungen Publikums, Melanie, Amanda und Katharina* (15 und 16 Jahre alt):
Nach neunzig Minuten rosaroter Hysterie fragten wir uns, wie der Film wohl geworden wäre, hätte eine Regisseurin wie Doris Dörrie ihn gedreht – vielleicht als alltagsnahe Komöde (mit einer in Selbstdarstellerung geübte Super-Mum-Ministerin als „Working Mum“?).
Ansonsten waren wir ratlos: Ist diese Leinwandillusion nun lachhaft bis zum Heulen oder zum Heulen bis lachhaft? Oder waren wir nur so gelangweilt wie Pierce Brosnan?
Einer von drei Männern im Kinosaal murmelte danach etwas von „einem Film für Emanzen“. Offenbar hatte er etwas falsch verstanden, wenn er diese Story im Sinne von "Frauenbewegung oder Mütterfortschritt" deutete.
Dahin ist noch ein langer Weg - auf High Heels wird er dauern.
Unser Fazit: Als Ausgleich schlagen wir einen DVD-Abend mit einem Film aus inspirierenden Frauen- und Mutterkulturen vor.
UF
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Central Film Verleih
(*Namen von der Redaktion geändert.)
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