Was sind mütterliche Werte
Was bei manchen für ein Durcheinander in den Gedanken und Herzen herrscht, wird an vielen Blog-Einträgen zur Familienarbeit deutlich. Obwohl man bei vereinzelten Verunglimpfungen schon gähnen muss, ist es immer noch Realität, dass Mütter, die zu Gunsten ihrer Kinder auf eine Berufstätigkeit außerhalb der Familie verzichten, als „Schmarotzerinnen“ bezeichnen werden, mit denen der Mann „sein Geld“ nicht teilen will. Na gut, mit so einem sein Leben zu teilen, ist wohl auch für keine Frau attraktiv.
 Vielmehr bewegen mich die Äußerungen von Müttern, die sich immer noch dafür entschuldigen, wenn sie ganz für ihre Kinder da sein wollen. Wenn sie sich dafür schämen, dass es ihnen zuviel wird, wenn sie um fünf Uhr morgens aufstehen, um Frühstück, Brotzeitmachen, durchs Bad schleusen von vier Schulkindern zu schaffen, um sich dann selbst schnell fertigzumachen, um selbst auch noch pünktlich zur Arbeit zu kommen. Wenn sie es nicht mehr schaffen wollen, nachmittags um fünf die Kinder abzuholen, abends um sechs einzukaufen, um sieben die Betten zu machen und den Frühstückstisch von morgens abzuräumen, um dann zu kochen und nach den Hausaufgaben und dem Schulranzenpacken der Kinder zu sehen, um neun Uhr Wäsche zu waschen, um zehn Uhr zu bügeln und zu sehen, dass nun auch das letzte Kind in den Schlaf findet, nachdem es mit der Mutter ausgetauscht hat, was ihm noch auf der Seele liegt. Denn dazu war ja den ganzen Tag über keine Gelegenheit.
Nein, liebe Mütter, dafür braucht es keine Entschuldigung, keine Scham und keine Minderwertigkeitsgefühle. Im Gegenteil. Ihr dürft stolz darauf sein. Doch um diese Haltung vor sich selbst und anderen vertreten zu können, ist Klarheit in Kopf und Herz erforderlich. Um diese zu erlangen, benötigen wir ein Bewusstsein dafür, was mütterliche Werte eigentlich sind.
Doch auch den Müttern, die an sich zweifeln, weil sie meinen, die Decke ihres trauten Heims fiele ihnen auf den Kopf, wenn sie sich nicht auch an einen anderen Ort zum Arbeiten begeben, sei die Sorge genommen. Wer sagt denn, dass die „Nur“- Mutter in unserer Zeit und Kultur von morgens bis abends nur den Kochlöffel und Putzlappen schwingen will? Natürlich füllt die moderne Mutter ihre Zeitfenster mit anderen Tätigkeiten. Dazu gehören auch Teilzeitbeschäftigungen oder freiberufliche oder selbständige Arbeit. Eine Mutter ist zu einer vielfältigen und komplexen Lebensführung fähig. Aber sie sollte ihre Tätigkeiten so kombinieren können, dass sie dabei gesund bleibt.
 Um uns nicht mehr schämen oder rechtfertigen zu müssen, ist es hilfreich, den Beruf der Mutter und die damit verbundenen mütterlichen Qualitäten und Werte zu beschreiben. Bei jeder Stellenanzeige finden wir eine ausführliche Beschreibung der Qualitäten, die jemand für diesen Job benötigt, um ihn erfolgreich auszufüllen.
Was beinhaltet also die „Erziehungsleistung“ einer Mutter? Ich möchte das Wort „Erziehung“ lieber in eine Muttersprache übertragen und durch den Begriff „schützende und unterstützende Begleitung“ ersetzen. Mütter sind Lebenslehrerinnen, die ihren Kindern beibringen, wie das Leben funktioniert, und ihnen dabei die Freiheit lassen, es selbst auszuprobieren. Kinder gehen in die Lebensschule. Mütter geben ihnen das nötige Handwerkszeug, damit sie ihr eigenes Lebensnetz spinnen können.
Mütter geben ihren Kindern Liebe, Nahrung, Körperpflege, Kleidung, ein geborgenes Zuhause, Fürsorglichkeit, achtsame Führung, Orientierung und Schutz. Dazu kommen alle anderen individuellen Fähigkeiten, die sie besitzen und ihren Kindern vermitteln können wie Freizeitaktivitäten, Naturverbundenheit, Sport, Musik, Kunst, Lesen, Sprachen, Reisen. Oder auch die Fähigkeit, eine gelungene Geburtstagsparty zu organisieren. Oder den Umgang mit einem Haustier.
 Die Mutter spiegelt dem Kind seinen Wert, indem sie es so liebt, wie es ist. Auf diese Weise entwickelt sich sein Selbstwertgefühl. Ein intakter Selbstwert verhilft dem Kind dazu, sein Wesen, seine Fähigkeiten und seine Bedürfnisse einzuschätzen und als Erwachsener eigenverantwortlich und gut für sich zu sorgen. Durch die lebenslange Bindung der Mutter an ihr Kind kann aus ihm ein Erwachsener werden, der ebenfalls Liebe geben und gesunde Bindungen eingehen kann.
Aus dieser tiefen Bindung entsteht die Liebe, die Kontinuität und der bekannte Instinkt der Mutter für ihr Kind, die Grundlage für sein Urvertrauen, seine eigene Liebes- und Bindungsfähigkeit. Sie macht den großen Unterschied zu anderen oder fremden Betreuern. Keine professionelle Kinderbetreuung kann eine Mutter-Kind-Beziehung simulieren oder ersetzen. Auch wenn derzeit viele versuchen, Müttern etwas anderes einzureden.
Mütterliche Werte sind lebensbejahend, lebenserhaltend und kreativ. „Mutterschaft heißt, die Bedürfnisse der Welt zu begreifen“, sagt Alexis de Veaux, Mutter und Sponsorin der lateinamerikanischen Wohltätigkeitsorganisation MADRE.
Das ist für die Zukunft der Menschheit überlebensnotwendig.
Also, liebe Mütter, seid stolz und selbstsicher, wenn ihr euch für eine Ganztagstelle als Mutter entschieden habt.
UF
Fotos: UF
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