Vertraute Spuren im eigenen Frauen-Kulturraum
Luisa Francia: Die Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen
240 Seiten, gebunden, Nymphenburger Verlag, erschienen im Februar 2010, € 17,95 ISBN-13: 978-3485013055
 Luisa Francia erspürt, was die Göttin in ihrer vielfältigen Gestalt bedeutet, und zeichnet sie für uns auch in ihrem neusten Buch mit dem von ihr gewohnten klaren Blick und in eingängiger Sprache. Besonders schön für uns Frauen im europäischen Westen: Wir können uns endlich einmal auf die Spurensuche in unserem eigenen Kulturraum machen. Schon bald finden wir beim Lesen heraus, dass uns die heimischen Bäume, der heilige Hain, die keltischen und germanischen Göttinnen, die Trollweiber, Drachenmütter, Feen, die magischen Tiere und Rituale eigentlich noch sehr vertraut und nah sind.
Erhellend ist auch die Herangehensweise der Autorin an die Geschichte. Tatsächlich schreibt sie aus der Perspektive der Frauen und lenkt gleichzeitig den Fokus auf sie – dabei ergibt es sich ganz natürlich, dass viele „Deutungen“, die uns bisher weis gemacht wurden, von ihr wieder richtig gestellt werden und in einem ganz neuen Licht erscheinen. Das weibliche Universum auszugraben, ist eine ganz besondere Fähigkeit von Luisa Francia.
Wunderbar auch, dass sie für uns auch wieder viele Märchen aufgeschrieben hat, die Frauen stärken und uns Seelennahrung geben. Daher ist es ein toller Tipp, sie auch unseren Kindern vorzulesen. Beispielsweise das Märchen von „Tschiklemfusa", die am Ende eine viel frauenfreundlichere Lösung findet als das Aschenputtel der Gebrüder Grimm, an das es erinnert.
In bester Luisa - Francia -Tradition überliefert sie uns auch in diesem Buch wieder viel Wissen über die Göttinnen und ihre ursprüngliche Bedeutung, so dass wir sie wirklich kennen- und spüren lernen. Das Gleiche gilt für die magischen Tiere und Gegenstände wie zum Beispiel dem Kessel. Erfrischend ist auch die Darstellung der „Fabelwesen“, die bei Luisa Francia Realität werden, gerade weil sie sie von esoterischem Firlefanz befreit und auf den Boden der Wirklichkeit stellt.
Sie löst sich (und uns) von einem von manchen „Jahreskreis“ – Liebhabern vertretenen „Authentizitätsanspruch“, denn „zu den Zeiten der Kelten und Germanen gab es keine Zeitmessung in unserem Sinn mit Tagen, Wochen, Monaten.“ Wir brauchen die Jahreskreisfeste also nicht unbedingt nach „alten Regeln“ feiern, die keiner wirklich kennt, um Kraft daraus zu schöpfen und in eine tiefe Verbundenheit mit Mutter Natur zu gelangen. Wir dürfen die alten Feste spielerisch und unbeschwert in unser modernes Leben integrieren, denn „wir sind keine KeltInnen oder GermanInnen …“ und „die Überlieferungen unserer Ahninnen“ müssen sich mit den Erfahrungen unserer Zeit vermischen.“
Wer Freya, der „Göttin im Federkleid“ folgt, wie „sie sich in die Lüfte erhebt und Sturm, Wolke, Regen wird“ nimmt viel Tiefes und Wertvolles in sich auf. Luisa Francia vermittelt es mit einer Leichtigkeit, die das Lesen zu einem Wellness - Erlebnis macht.
UF
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Nymphenburger Verlag
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