Alte Wunden heilen
Kliniken mit einer Trauma - Station für Frauen gibt es noch nicht viele. Umso wichtiger ist, diese Heilungsmöglichkeit für Mütter zu verbreiten. Susanne, 38 Jahre alt und Mutter einer Tochter und eines Sohnes, erzählt uns von ihrem Aufenthalt im Frauenbereich der Wicker - Klinik in Bad Wildungen.
„Zuerst war ich einfach nur froh, eine psychosomatische Klinik gefunden zu haben, die Trauma - Behandlung auf einer Frauenstation anbot. Davon gibt es leider nicht viele in Deutschland. Ich brauchte für meine Heilung einen sicheren Ort und das konnte nur ein Ort ohne Männer sein. Denn männliche Gewalt war der Grund für mein Trauma. Aber was ich fand, war nicht nur ein Ort ohne Männer, sondern ein Ort für Frauen.
Inzwischen weiß ich, dass vor allem der frauengemäße Ansatz der Klinik für mich ganz besonders heilsam war. Genauso wie für viele der anderen Frauen, die ich dort kennen lernen durfte. Und ich wundere mich immer mehr darüber, dass dieser Ansatz nicht längst Standard bei der Behandlung von traumatisierten Frauen ist.
Der frauengemäße Ansatz
Hilfe von Frauen für Frauen, das ist das Motto der Wicker - Klinik Bad Wildungen. Die Behandlung findet auf der Basis eines frauengemäßen Gesamtkonzeptes statt. Alle Therapeutinnen sind Frauen, von der Masseurin bis zur Chefärztin. Es gibt einen speziellen Frauenspeisesaal und einen eigenen Gartenbereich. Die Frauenstation selbst befindet sich in einem extra Gebäude mit einem eigenem Aufenthaltsbereich und Behandlungsräumen. Alle Frauen haben ein Einzelzimmer. Kein Luxus, wie ich inzwischen weiß. Heilung ist anstrengend und es ist sehr wichtig, sich auch zurückziehen zu können.
Die Therapie
Die psychotherapeutische Behandlung wird von Ärztinnen und Psychologinnen durchgeführt, die mit frauenspezifischen Themen Erfahrung haben. Neben Einzelgesprächen werden auch Gruppentherapie und Kunst- oder Bewegungstherapie in Gruppen angeboten. Schon allein die Begegnung mit Frauen in diesem von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Rahmen empfand ich dabei als sehr wohltuend, ja heilsam. Ergänzend stehen noch Entspannungstechniken, Massagen, Bäder und sportliche Angebote auf dem Programm. Immer ging es dabei auch darum, die eigenen Ressourcen wieder zu entdecken und auszubauen. Und da ist neben all der harten Heilungsarbeit auch der Spaß etwas ganz Wichtiges. So habe ich dort z.B. entdeckt, wie viel Freude es machen kann, mit anderen Frauen zu tanzen.
Nicht nur die Abwesenheit von Männern
Frauengemäß, das bedeutet in dieser Klinik nicht nur die Abwesenheit von Männern. Es bedeutet auch, dass Frauen wirklich ernst genommen und mit Respekt behandelt werden. Ich hatte dort niemals das Gefühl, „nur Frau“ zu sein. Ich musste nicht erst etwas beweisen, weil ich Frau bin. Im Gegenteil: Mir wurde ganz selbstverständlich etwas zugetraut. Über alle Therapien und Medikamente wurde nur gemeinsam mit mir entschieden. Und was mir nicht gut tat, konnte ich wieder ändern. Am Anfang war es sehr ungewohnt für mich, immer wieder zu überprüfen, wie es mir geht und ob mir etwas gut tut oder nicht. Mit der Zeit begriff ich, dass genau das schon ein Teil der Heilung war. Nämlich Verantwortung für mich zu übernehmen. So wurde dieser Frauen-Ort für mich zu einem ganz wesentlichen Bestandteil meiner Heilung. Und zum Beginn meines „frauen-bewussten“ Lebens.“
(Name von der Redaktion geändert.)
UF
Foto: CG
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