Traumaheilung

Ein Trauma ist ein schwerer seelischer Schock, ausgelöst durch die Gewalttat eines anderen Menschen, einen Todesfall, schweren Schicksalsschlag, Unfall, Krieg oder eine Naturkatastrophe. Von den Auswirkungen sind nicht nur die unmittelbaren Opfer betroffen, sondern auch ihre Angehörigen und HelferInnen. Doch es gibt viele wirkungsvolle Therapien.
In der Traumaforschung wird eine psychische Traumatisierung als unangenehmer Spannungszustand zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten bezeichnet. Ein Trauma geht mit Gefühlen der Hilf- und Schutzlosigkeit und des Ausgeliefertseins einher. Dadurch wird das Vertrauen in sich selbst und die Welt dauerhaft erschüttert.
Traumatisierende Beziehungen
Normalerweise vertrauen wir denen, von denen wir glauben, dass sie uns lieben, am meisten. Daher finden die tiefsten Enttäuschungen und seelischen Erschütterungen auch in Liebesbeziehungen statt.
Gewalt beginnt und ist immer verbunden mit psychischer, emotionaler, geistiger, und sozialer Gewalt. Psychoterror, der ein bedrohliches Gewaltklima in der Familie erzeugt, ist eine Gewalttat, die ebenfalls traumatisierend auf die Opfer wirkt.
Unterschiedliche Auswirkungen
Traumata wirken sich individuell verschieden aus. Ein wichtiger Faktor für die Schwere der seelischen Schädigung ist beispielsweise die Dauer des Ereignisses, oder ob ein Mensch einem anderen das Leid zugefügt hat oder das Schicksal oder die Natur. Im Fall eines von Menschen herbeigeführten Traumas hat das Opfer einen großen zwischenmenschlichen Vertrauensbruch erlitten.
Durch das Trauma kann das Immunsystem, aber auch das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt werden. Das Opfer kann sich in diesem Fall an Teile der traumatischen Erfahrung nicht mehr erinnern.
Weitere mögliche Folgen sind sogenannte komorbiden Störungen. Das sind psychische Störungen, die nicht unmittelbar mit dem traumatischen Erleben zusammenhängen, sondern ein Versuch der Psyche darstellen, das Trauma zu bewältigen.
Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Verspannungen, Haltungsschäden, Lähmungen, Hautkrankheiten, Essstörungen, Asthma, Kreislaufbeschwerden, Ohnmachts- und Erstickungsanfälle, Sprachstörungen, Verdauungsstörungen, psychogenes Erbrechen, Einnässen und Einkoten (bei Kindern) und Schmerzen (Unterleibs-, Bauch-, Kopfschmerzen) zählen zu den psychosomatischen Folgeschäden.
Ebenso sind „somatoforme Störungen“ häufige Begleiterscheinungen eines Traumas. Dabei deuten die Symptome auf eine Krankheit hin, für die es keine körperliche Ursache gibt.
Co-Traumatisierung
Nach einem traumatischen Ereignis sind meist mehrere Personen mit betroffen. Zum einen gibt es die unmittelbaren Opfer, zum andern die Helfer und die Familienangehörigen oder andere dem Opfer nahe stehenden Menschen. Auch sie können unterschiedliche Traumareaktionen zeigen und brauchen Unterstützung.
Traumaforschung
Die Traumaforscher untersuchen die Reaktion der menschlichen Psyche auf ein traumatisches Erlebnis.
In einer bedrohlichen Situation ist zunächst eine Stressreaktion normal. Sie verläuft in drei Phasen: Der Alarmreaktion mit Kampf- und Fluchttendenzen; dem Widerstandsstadium, in dem der Körper versucht, die Belastung zu kompensieren und dem Erschöpfungsstadium, das mit einer Schwächung des Immunsystems verbunden ist.
Flucht und die Fähigkeit, sich zu verteidigen, wirken einer Traumatisierung eher entgegen. Durch die Erstarrung oder das hilflose Ausgeliefertsein wird ein Trauma „eingekapselt.“
Die mit dem schrecklichen Ereignis verbundenen Gefühle wie Angst, Ärger, Schuld oder Panik bleiben im Körper gespeichert. Daher löst eine Erinnerung an das Erlebte, die auch durch Geräusche oder Gerüche wachgerufen werden kann, wieder eine Kette von emotionalen und körperlichen Reaktionen aus.
Posttraumatische Belastungsstörung
Wenn diese anfängliche Stressreaktion nicht gelöst werden kann, geht sie in einen dauerhaften Spannungszustand über. Daraus kann sich eine „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS) entwickeln. Das Opfer lebt in ständiger Alarmbereitschaft oder innerer Erstarrung, vermeidet Erinnerungen oder erlebt unkontrollierbare „Gedächtnisblitze“ („Flashbacks“).
Traumatisierte Menschen ziehen sich womöglich ganz in sich zurück und verändern sich. Die anfangs natürliche Schutzreaktion - erhöhtes Misstrauen, Schlaflosigkeit und ein permanenter Erregungszustand - wird jetzt zur Symptomatik. Körper und Geist sind ständig wachsam und übererregt. Nach drei Monaten gilt der Zustand als chronisch.
Kognitive und emotionale Reaktionen
Zu den kognitiven und emotionalen Schäden gehören Zweifel an der eigenen Wahrnehmung, Verwirrung, Schuldgefühle, Beschämung, Ohnmachtsgefühle, diffuse oder konkrete Angst, Vertrauensverlust, Misstrauen in sich selbst, Verlust des Selbstwertgefühls, aggressives, regressives, zwanghaftes oder überangepasstes Verhalten, Identifikation mit dem Täter (zum Beispiel: Damit der Missbrauch ertragbar ist, nimmt das Opfer den Täter in Schutz und findet Entschuldigungen für seine kriminelle Tat), Rückzug, Passivität und Sprachlosigkeit, Depression und Dissoziation.
Abspaltung von Gefühlen
Das menschliche Gehirn verfügt über Überlebensfähigkeiten, um sich vor der Flut überwältigender Informationen und Gefühle zu schützen. In einer bedrohlichen Situation ist das Opfer hilflos ausgeliefert und wird von den Eindrücken überschwemmt. In der Folge schaltet das Gehirn ab.
Diese Abspaltung heißt „Dissoziation“. Das Opfer tritt geistig weg und steht wie ein distanzierter Beobachter neben sich. Es verdrängt das Erlebnis. Im Extremfall spaltet es seine Persönlichkeit in verschiedene „Innenpersonen“ auf (multiple Persönlichkeit).
Psycho-soziale Schäden
Weitere Schäden sind Autoaggression wie Nägelkauen, Selbstverstümmelung (sich z. B. mit einem Messer „schnitzen“), Selbsthass, Sucht (Alkohol, Drogen, Medikamente) und Suizidversuche.
Das Sozialverhalten eines Opfers wird nachhaltig beeinträchtigt. Aus Missbrauchserfahrungen resultieren Kontaktstörungen, Beziehungsunfähigkeit, Beziehungssucht, Distanzlosigkeit, Misstrauen, Machtstreben, Verschlossenheit, Isolation, Weglaufen, Schul- und Arbeitsprobleme, eine extreme Veränderung der Leistungsbereitschaft und Aggressionen und möglicherweise auch Störungen des Sexualverhaltens.
Retraumatisierung
Das Wiedererinnern einer traumatischen Erfahrung kann ebenfalls traumatisch wirken. Ohne therapeutische Aufarbeitung kommt es im Laufe des Lebens womöglich dazu, dass sich ein Trauma auf dem nächsten aufbaut und chronische Beschwerden verursacht.
Dabei handelt es sich um ein energetisches Geschehen wie das Fließen des Stroms durch die Leitungen, nachdem der Schalter eingeschaltet wurde.
Traumatherapie
Jede Form von Gewalt und Missbrauch hat schwerwiegende Folgen. Die seelischen Schäden lassen sich langfristig und nur mit kompetenter therapeutischer Unterstützung zu bewältigen. Auch ein Klinikaufenthalt kann traumatisierten Menschen helfen. Frauen können inzwischen auch Kliniken mit einer speziellen Frauenstation finden.
Zu den Sofortmassnahmen nach einem erlittenen Trauma zählt die Krisenintervention in Form eines Einzelgesprächs am Ort des Geschehens (beispielsweise nach einer Naturkatastrophe oder einem Unfall) und die Familienbetreuung.
Für die langfristige Behandlung von Traumata gibt es unterschiedliche Therapieangebote. Dazu gehört EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) nach Francine Shapiro, die „Desensibilsierung und Neuverarbeitung psychischer Traumata durch Augenbewegungen“. Weitere therapeutische Möglichkeiten bietet die positive Imagination nach Dr. Luise Reddemann mit Übungen wie der „innere sichere Ort“, sowie die Gesprächstherapie, Psychoanalyse, Psychodrama oder Traumalösung nach Dr. Peter Levine (Somatic Experiencing).
Kombiniert werden kann die Traumaheilung mit Entspannungsmethoden, progressiver Muskelentspannung, Autogenem Training und neuerdings „Meridianklopfen“ nach Fred Gallo. Die Körperstimulation durch Klopfen wichtiger Stellen auf der Körperoberfläche, wie beispielsweise der Akupunkturpunkte, während man sich gleichzeitig an die bedrohliche Situation oder die Angst erinnert, verändert diese Gefühlsreaktion auf die Erinnerung sowohl im Gehirn als auch im Körper.
Diese Technik ist damit vergleichbar, „das Licht wieder auszuschalten“ und dadurch den emotionalen Teil der Erinnerung zu löschen. Jeder Gedanke an das traumatische Ereignis wird auf der emotionalen Ebene neutralisiert. Deshalb verschwinden Albträume, Flashbacks, Depressionen, Angstattacken und andere negativen Gefühle, wenn diese Techniken in die Trauma-Therapie mit einbezogen werden.
Lesen Sie mehr zum Thema auch unseren Erfahrungsbericht einer Mutter über den Aufenthalt auf der Frauenstation einer Traumaklinik.
Mehr über Traumaheilung durch „Meridianklopfen“ finden Sie in unserer Buchbesprechung.
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