Mediation kann mit einem Heilungsprozess verglichen werden. Die Mediation bietet die Chance, seinen Bedürfnissen Raum zu geben und dadurch wieder in Kontakt mich sich und dem Gegenüber zu kommen. Mit dem Annehmen der eigenen Gefühle und Bedürfnisse und der Entwicklung von Mitgefühl für unser Gegenüber beginnt die Heilung. Die anerkannte Mediatorin beim Bundesverband für Mediation (BM) und Trainerin für Konfliktbearbeitung und „Gewaltfreie Kommunikation“, Claudia Schraewer, erklärt, warum ein Konflikt eine Chance sein kann.
Ein Konflikt ist ein Zeichen dafür, dass in unserem Leben etwas zu kurz kommt. Konflikte entstehen dann, wenn Bedürfnisse, Wünsche und Ziele von zwei oder mehreren Personen (scheinbar) nicht vereinbar sind. Die Reaktionen im Konflikt sind unterschiedlich - manche Menschen ziehen sich zurück, andere gehen in die Konfrontation bis hin zur Aggression. Jede dieser „Strategien“ führt in die Schwere und löst Gefühle wie z.B. Einsamkeit, Trauer und Erschöpfung aus.
Die Mediation bietet einen Weg, den Konflikt als Chance zu nutzen und die unerfüllten Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen. Jeder Konflikt birgt die Chance, sich selbst näher zu kommen und das Miteinander neu zu entdecken.
Was bedeutet Mediation?
Mediation ist eine Form der Konfliktvermittlung, bei der die Konfliktparteien (die Medianden) gemeinsam einen Weg aus dem Konflikt erarbeiten. Mit Unterstützung des Mediators versuchen sie eine „Win-Win-Situation“ zu erreichen. „Win-Win“ bedeutet, dass es nur „Gewinner“ und keine „Verlierer“ gibt. Konkret äußert sich das darin, dass die Bedürfnisse aller beteiligten Personen berücksichtigt, die Lösungen gemeinsam erarbeitet und einvernehmlich beschlossen werden.
Die Mediation ist ein Verfahren, das auf Kooperation setzt. Daher sind die freiwillige Teilnahme und die Bereitschaft, zur Verständigung beizutragen, wichtige Voraussetzungen. Damit die Mediation erfolgreich ist, braucht es auch Vertraulichkeit, das heißt, die Konfliktparteien vereinbaren zu Beginn, wie mit den besprochenen Inhalten umgegangen wird.
Wann ist Mediation hilfreich?
Überall dort, wo Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, kann Mediation stattfinden. Zum Beispiel in schwierigen Situationen in der Familie, in der Partnerschaft, in Schulen, der Nachbarschaft oder im Gemeinwesen. Auch im Berufsalltag ist die Mediation nützlich, beispielsweise bei Konflikten im Team zwischen Kollegen. Bei Personen verschiedener Nationalitäten kann es aufgrund unterschiedlicher kultureller Werte und Normen auch zu Konflikten kommen. In solchen Fällen ist die Mediation auch ein hilfreicher Weg, aufeinander zuzugehen.
Was macht die Mediatorin oder der Mediator?
Die Mediatorin oder der Mediator ist verantwortlich für einen geschützten Rahmen, indem ein respektvoller und offener Austausch zwischen den Konfliktparteien möglich ist. Sie oder er unterstützt die Parteien, auf ihre Gefühle und Bedürfnisse zu achten und diese gegenseitig zu respektieren. Dabei ist die Mediatorin „allparteilich“. Das bedeutet, sie versucht die Sichtweisen aller Konfliktparteien gleichermaßen zu verstehen und ihnen im Mediationsprozess Raum zu geben. Sie gibt keine Ratschläge, sondern unterstützt die Medianden, gemeinsam „ihre“ Lösung zu finden. Eine gemeinsame erarbeitete und vereinbarte Lösung hat große Chancen, langfristig tragfähig zu sein. Die Parteien wissen am besten, was sie im Alltag umsetzen können.
Welchen Vorteil bringt eine Mediation?
Neben dem heilsamen Effekt ermöglicht eine Mediation durch die Aussprache zwischen den Parteien einen Perspektivwechsel. Durch das Hören und Verstehen der Perspektive des Gegenübers öffnet und weitet sich die eigene Wahrnehmung. Menschen sind unterschiedlich – in der Mediation wird jede Sichtweise ernst genommen, und es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, kein „gut“ oder „schlecht“.
Die Mediation fördert Mitgefühl sowie eine wertschätzende Haltung sich selbst und der anderen Person gegenüber. Dadurch gewinnt die Qualität der Beziehung, unabhängig davon ob es sich um eine private oder berufliche Situation handelt. Es wird nicht in der Vergangenheit gesucht, sondern die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Gegenwart mit Blick in die Zukunft. Aus dieser Klarheit heraus wächst neue Kraft und Energie.
Was ist eine „Stellvertreter-Mediation“?
Es gibt Konfliktsituationen, in denen eine Person an einer Mediation interessiert ist, der andere Beteiligte jedoch nicht. In solchen Fällen besteht die Möglichkeit einer „Stellvertreter-Mediation“. Dazu sind zwei Mediatoren notwendig sowie eine anwesende Konfliktpartei.
In der Aussprache repräsentiert einer der Mediatoren die abwesende Konfliktpartei, während der zweite Mediator den Mediationsprozess leitet. Der „Stellvertreter“ reagiert dabei konstruktiv und einfühlsam auf die anwesende Partei, wodurch eine Aussprache entsteht, die der anwesenden Konfliktpartei Klarheit bringt.
Entwickelt wurde diese Form von Katharina Sander und Christoph Hatlapa, Leiter der „Schule für Verständigung und Mediation“ in Steyerberg. Der Bundesverband für Mediation (BM e.V.) hat ihre Entwicklung mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.
CS