Mütter brauchen Heilung - von der Emanzipation
Wenn sich Frauen in einer von patriarchalen Werten geprägten Gesellschaft und Arbeitswelt „gleichstellen“ wollen, kann das für Mütter nicht funktionieren. Denn dieses System ist mütter- und kinderfeindlich und mit dem eigentlichen Wesen von Mutterschaft ist nicht vereinbar, meint Klara Steiner. Sie hinterfragt das Klischee von der „Emanzipation“.
Die emanzipierte Frau von heute ist beruflich erfolgreich, unabhängig und selbstverwirklicht. Frauen dürfen endlich all das tun, was lange nur Männern vorbehalten war. Einen Unterschied gibt es allerdings dennoch: Nebenbei sind Frauen auch Mütter. Und an diesem Punkt tun sie sich immer noch schwer mit der Emanzipation. Hin und her gerissen zwischen Job und Kindererziehung, perfektem Haushalt und exotischem Hobby fühlen sich viele von ihnen nicht wirklich wohl in ihrer Haut. Etliche werden sogar krank. Überforderung, Burn-out und psychische Erkrankungen sind bei Müttern auf dem Vormarsch.
Frauen wieder zurück an den Herd?
Schon wähnen sich diejenigen bestätigt, die Mütter gern wieder hinterm Herd hätten. Sollten Frauen tatsächlich nicht fürs Karriere machen geschaffen sein? Allen Unkenrufen zum Trotz, etliche erfolgreiche Frauen in Wirtschaft und Politik beweisen uns längst das Gegenteil. Allerdings sind sie immer noch deutlich in der Minderzahl. Trotz Gleichberechtigung per Gesetz. Woran liegt es also, dass die Emanzipation ihr Ziel noch nicht erreicht hat?
Mütter haben ein Problem mit der Emanzipation
Schwierig wird es eben dann, wenn aus Frauen Mütter werden. Wenn da jemand ist, für den gesorgt werden muss. Fürsorge für andere – Mütterlichkeit - hat nämlich in einer rein an beruflichem Erfolg orientierten Gesellschaft keinen Platz. Egal, ob es sich um Kinder handelt oder um bedürftige Menschen, sich um andere zu kümmern wird nicht als wichtig oder erstrebenswert erachtet. Es soll daher möglichst nebenher und umsonst erledigt werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt dabei nur noch als Frage der Organisation.
E-Mann-zipation macht Mütter krank
Aber da hat das heutige Modell der Emanzipation einen Denkfehler. Und wird zur „E-Mann-zipation“. Ihr Idealbild orientiert sich am Mann, hinter dem bisher eine Frau stand, die sich um alles andere kümmert. Mütter haben aber andere Voraussetzungen. Sie können diesem Ideal nicht entsprechen, denn sie müssen (und wollen!) sich selbst kümmern. Aber nicht nur so am Rande. Denn die Sorge für einen Menschen kann nie nur nebenher erledigt werden. Sie benötigt Zeit und Kraft. Mütter spüren es als erste, wenn es daran fehlt. An ihren Kindern. Deshalb reiben sie sich auf im Spagat zwischen der verantwortungsvollen Sorge um die ihnen Anvertrauten und dem Versuch, ganz emanzipiert berufstätig zu sein. Oder sie geben ihren Job auf und leiden unter der mangelnden Anerkennung und dem Gefühl der Unzulänglichkeit. Weder das eine noch das andere macht Mütter wirklich glücklich. Es macht sie krank.
Was brauchen Mütter, um gesund zu bleiben?
Ehrlichkeit und Anerkennung. Wer die Karriere in den Mittelpunkt des Lebens stellen will, soll das tun können, egal ob Mann oder Frau. Aber wir sollten so ehrlich sein, uns einzugestehen, dass das nicht für alle funktionieren kann. Unsere Gesellschaft braucht auch Menschen, die die Fürsorge für andere ins Zentrum ihres Lebens stellen. Deren Beruf es ist, Mutter zu sein. Und die nur nebenbei noch einer anderen Erwerbstätigkeit nachgehen wollen, oder auch gar nicht. Dafür gebührt ihnen ebenso Anerkennung, wie den in anderen Berufen Erfolgreichen. Sie sollten nicht länger belächelt oder gar als altmodisch abgewertet werden. Zeit einen Schritt weiter zu gehen. Von der Gleichberechtigung zu einer Gleichwertigkeit verschiedener Lebensentwürfe. Von der E-Mann-zipation zu einer echten Emanzipation für alle.
KS
Foto: UF
< zurück
|