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Erziehungsgehalt – eine realistische Alternative für Mütter

Über eine realistische Alternative, die Müttern eine echte Wahlfreiheit bringen kann, hat Klara Steiner nachgedacht.
 
Familie ist, wo Kinder sind - und die Mütter?
Familie ist, wo Kinder sind. Dieser „Werbeslogan“ der Familienpolitik ist zwar fortschrittlich gemeint, aber fehlt da nicht etwas? Kinder sind – unbestritten - ein existentiell wichtiger Teil der Familie, doch nicht nur sie allein. Denn Kinder gibt es auch in der Kindergartengruppe oder Schulklasse, eine Familie aber ist das nicht. Natürlich nicht, werden Sie jetzt denken. Was fehlt, ist die Mutter! (Es kann auch ein Vater sein; weil aber Vater-Kind-Familien selten sind, rede ich bei der Kernfamilie von Mutter und Kind). Ohne Mutter also keine Familie. Eigentlich eine Binsenweisheit. Wenn ich mir aber die derzeitige Familienpolitik anschaue, dann scheint mir obiger Werbeslogan kein Zufall zu sein. Denn Mütter spielen darin eine eher untergeordnete Rolle.
 
Familienpolitik für Familien
Echte Familienpolitik müsste beide im Blick haben, Mütter und Kinder. Wie aber werden Mütter derzeit gefördert? Hauptsächlich durch die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die ist gut und wichtig. Für einen Teil der Mütter. Doch was ist mit den Müttern, die ihren Beruf darin sehen, ihre Kinder zu erziehen? Müsste eine echte FAMILIEN-Politik nicht auch sie unterstützen? Ein zaghafter Versuch in diese Richtung ist das sogenannte Betreuungsgeld, das laut Koalitionsvertrag 2013 eingeführt werden soll, „um Wahlfreiheit zu anderen öffentlichen Angeboten und Leistungen zu ermöglichen“. Diejenigen Mütter sollen es bekommen, die ihre Kinder ausschließlich selbst erziehen. 150 Euro in den ersten drei Lebensjahren des Kindes. Echte Wahlfreiheit in Bezug auf Familie oder Beruf ermöglicht das freilich nicht. Denn von den 150 Euro kann niemand leben.
 
Frauen wieder zurück an den Herd?
Dennoch schlagen die Wogen hoch in der Diskussion um das Betreuungsgeld. Obwohl noch weit entfernt von einer echten Unterstützung für „Berufsmütter“, wird den Befürwortern pauschal eine Zurück-an-den-Herd - Mentalität unterstellt. Alice Schwarzer zum Beispiel kann sich gar nicht vorstellen, dass frau freiwillig auf Erwerbsarbeit verzichtet, um ihre Kinder zu erziehen. Für sie ist das Betreuungsgeld daher nur „eine weitere Fessel für Frauen ans Haus“ und deshalb als „katastrophal“ einzustufen (Zeitschrift „Emma“, November 09). Auch viele andere meinen, das Betreuungsgeld halte Frauen davon ab, erwerbstätig zu sein und zementiere so alte Rollen. Oder wenden ein, das Ganze sei nicht finanzierbar und das Geld sowieso anderweitig besser investiert. Die Berufsmütter halten dagegen, dass sie nur das fordern, was ihnen eigentlich schon längst zustehe.
 
100 Jahre Kampf
Tatsächlich ist das Thema keineswegs neu. Der Kampf darum währt schon unglaubliche 100 Jahre lang, denn bereits um 1900 stellten Frauen erstmals die Forderung nach einem Gehalt für Erziehungsarbeit. Dieses geht freilich weit über ein reines Betreuungsgeld hinaus. Es fordert ein existenzsicherndes Gehalt inklusive Sozialversicherungsleistungen für Erziehende. Und garantiert so echte Wahlfreiheit für Mütter.

Alles eine Frage des Geldes?
Auch wenn Betreuungsgeld und Erziehungsgehalt zwei verschiedene Dinge sind, abgelehnt werden sie mit den immer gleichen Argumenten: Mangelnde Finanzierbarkeit und die Gleichberechtigung der Frau. Aber was ist das eigentliche Ziel der Gleichberechtigung? Dass Frauen unabhängig sind von einem Ernährer. Und genau das wäre auch eine Mutter, wenn sie für ihre Erziehungsleistung bezahlt würde. Ich sehe ein Erziehungsgehalt daher nicht als Fessel, sondern als Voraussetzung dafür, dass frau sich frei entscheiden kann, wie sie ihr Geld verdienen will. Mit Erziehung oder Erwerbsarbeit. Oder beidem. Emanzipiert wäre sie so oder so.
 
Auch die Finanzierung ist nicht so unmöglich, wie oftmals behauptet wird. Es gibt inzwischen Modelle, die die Finanzierbarkeit eines Erziehungsgehaltes nachweisen. Zum Beispiel vom "Projekt Erziehungs- und Pflegeeinkommen", kurz PEPe, das vom Verband der Familienfrauen und –männer und der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft getragen wird. PEPe belegt das mit einer einfachen Rechnung, die von einem Erziehungsgehalt von 2000 Euro ausgeht. Das Erziehungseinkommen schafft sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze für die Erziehenden.
 
Ist Erziehung Arbeit?
Der eigentliche Grund, weshalb die Bezahlung von Müttern seit 100 Jahren ein solches Streitthema ist, scheint mir daher ein ganz anderer zu sein: Unsere Gesellschaft tut sich schwer damit, die Erziehung von eigenen Kindern als Arbeitsleistung anzuerkennen. Würde diese Leistung nämlich als Arbeit anerkannt werden, dann wäre ihre Bezahlung keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit. In unserer Gesellschaft soll sich Arbeit schließlich lohnen. Nun scheint das nicht an der Aufgabe der Erziehung an sich zu liegen. Denn paradoxerweise wird Erziehungsarbeit sehr wohl bezahlt, wenn sie von Fremden geleistet wird. Aber den Müttern und Vätern wird erzählt, dass das Großziehen der eigenen Kinder schließlich aus Liebe geschieht. Das ist ja auch (meistens) richtig. Nur: Ist es deshalb keine Arbeit?
 
Was können wir uns leisten?
Die Erziehungsleistung der Eltern ist wichtig und unentbehrlich - nicht nur für die eigenen Kinder, sondern für die Gesellschaft als Ganzes. Fremdbetreuung ist dazu eine sinnvolle Ergänzung, aber sie kann die Familie nicht ersetzen. Wir brauchen die Familien. Und Familien brauchen Mütter. Insgeheim wissen wir das alle. Und bauen unsere Gesellschaft auch weiterhin darauf auf, Stichwort Generationenvertrag oder Rentensystem. Trotzdem können diejenigen, die diese gesellschaftliche Leistung erbringen, davon nicht einmal ihre eigene Existenz sichern. Wer kann es sich da in Zukunft noch leisten, Familienarbeit zu machen?
 
Die eigentliche Frage ist daher nicht, ob wir es uns leisten können, diese Arbeit zu bezahlen. Stattdessen sollten wir uns fragen: Können wir es uns leisten, es nicht zu tun?
 
Denn Familie ist eben nicht da, wo Kinder sind, sondern da, wo Kindern mit ihren Eltern sind.
 
Weiter Infos zu PEPe: www.erziehungseinkommen.org
 
KS
 
Fotos: UF

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