Liebe Leserinnen,
Freiheit bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Denn Freiheit ist vielschichtig und individuell, ein Wohlgefühl, das jeder Mensch kennt und ersehnt.

Die einen verbinden ihre Bilder von persönliche Freiheit mit dem Meer, die anderen mit der Wüste oder dem Gipfel eines Achttausenders.
Eine Schicht unserer persönlichen Freiheit wird durch unsere Vorstellungen von einem freien Menschen beeinflusst. Viele verbinden Reichtum mit Freiheit und übersehen, dass Millionäre auch das Gegenteil davon erfahren können. Obwohl finanzieller Reichtum natürlich frei machen kann. Askese aber auch, wenn wir an die Geschichte Buddhas denken.
Wir kennen Freiheit auch im Zusammenhang mit Fremd- und Selbstbestimmung. Welche Prägungen oder welche Menschen aus meiner Vergangenheit und Gegenwart bestimmen meinen Handlungsspielraum und mein Wohlbefinden? Wie viel Raum gebe ich negativen Gefühlen? Wie viel positive Erfahrungen erlaube ich mir selbst?
Von Goethe stammt das Zitat: „Was immer du tun kannst oder wovon du träumst, fang damit an!“ Ein kluger Aufruf. Denn Eigenverantwortung ist ein vielversprechender Weg. Liegt der Schlüssel zur persönlichen Freiheit also darin, die eigenen Träume und Visionen zu verwirklichen?
Wie groß male ich meine Vision? Wie reich träume ich mich? „Freiheit beginnt im Kopf“, überlegte schon André Heller. Und im Herzen, möchte ich dazu fügen. Und im Körper natürlich. Viele Wege führen zum Ziel und enden wieder bei mir selbst – und den vielen Schichten, die meine persönliche Freiheit ausmachen.
Während ich mich durch sie hindurch grabe, mir meinen Weg frei schaufle, entdecke ich, dass genau das die Freiheit ist, die mir jederzeit und uneingeschränkt zur Verfügung steht: Ich kann alles verändern. Mit Kopf, Herz und Körper. In jedem Augenblick kann ich mein Leben neu gestalten.
In unserer Kultur stecken besonders Mütter im Hamsterrad, ohne für ihre Familienarbeit Geld oder Anerkennung zu bekommen. Dennoch liegt die Freiheit einer Mutter nicht etwa darin, ihre Lieben zu verlassen – höchstens mal für einen Sauna-Nachmittag. Das ist auch der Grund, warum Mütter weiter strampeln und nicht einmal einen Tag lang streiken. Wer würde ihre Kinder mit all dem versorgen, was sie nur von ihrer Mutter bekommen können?
In Frau Maischbergers Talkrunde sehe ich einen Ingenieur, der 5000 Euro Rente im Dauerurlaub verlebt, während neben ihm eine 75jährige Mutter, die fünf Kinder groß gezogen hat, immer noch sieben Tage in der Woche um zwei Uhr nachts aufsteht und Zeitungen austrägt, weil ihre Rente nicht zum Überleben reicht. Hätte man ihr früher ein gutes Müttergehalt bezahlt, hätte sie auch selbst für ihr Alter besser vorsorgen können - wie der Ingenieur.

Ein Einkommen, das Mütter von ihrer Überlastungssituation befreit und ihnen echte Wahlfreiheit ermöglicht, ist mein Neujahrswunsch. Ich wünsche mir, dass Mütter den Wert ihrer Leistungen in Form eines gleichwertigen Einkommens erhalten. Das wäre für Mütter wichtiger als eine Rente. Wer neben oder nach der Familienzeit eine Tätigkeit verwirklicht, die seinem Herzen ebenfalls nah ist, will vielleicht gar nicht mit dem Arbeiten aufhören, solange er gesund ist. Und zufriedene und entspannte Menschen bleiben meist auch viel gesünder.
Ich wünsche mir auch, dass Mütter sich mehr und mehr die Freiheit nehmen, ihr Hamsterrad öfter einmal anzuhalten, um sich gemeinsam mit anderen für ihre Anerkennung (auch in Form ihres Einkommens) einzusetzen.Und sich dabei auch von verdrehten Vorstellungen befreien.
Seit unserer letzten Ausgabe haben wir LeserInnen aus weiteren Ländern bekommen. Daher senden wir unsere Grüße zum neuen Jahr nach: Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Niue, Brasilien, Belgien, Slowakei, Peru, Georgien, Griechenland, Frankreich, Jordanien, Italien, Ungarn, Polen, Liechtenstein, Luxemburg, Spanien, Großbritannien, Türkei, Finnland, Japan, Israel, Russische Föderation, Tschechien, Argentinien, Ägypten, Kolumbien, Kroatien, Kanada, Schweden, Rumänien, Mexiko, Irland, Australien, USA, Dubai, Norwegen, Neuseeland, Portugal, Kuba, Indonesien, Lettland, Dominikanische Republik, Bulgarien, Dänemark, Marokko, Ukraine, Indien, China, Tuvalu, Singapur und Südafrika.
Wir danken dem Förderverein der Gerda-Weiler-Stiftung e. V. für die Unterstützung dieser Mütterblitz-Ausgabe.
Viele befreiende Lese-Momente mit dem ersten Mütterblitz 2010!
UF
Foto: UF