Geldfrage
Nicole Rupp, Dipl. Betriebswirtin, Unternehmerin, Autorin, Geldtrainerin und Mutter zweier Kinder, beantwortet die Geldfragen, die unsere Leserinnen der letzten Mütterblitz-Ausgabe gestellt haben.
Christine aus München fragte: „Wie stehen Sie zu den Spendenaufrufen vor allem an Kinder in der Vorweihnachtszeit?“
Wir beginnen mit dem Thema „Geldspenden“, das besonders zur Weihnachtszeit und bei Katastrophen wie gerade in Haiti aktuell ist. Nicole Rupp geht besonders darauf ein, wie wir unseren Kindern das „Spenden“ vermitteln.
 Kinder lernen vor allem durch Vorbildfunktion. Insofern gilt es zunächst einmal unser bzw. auch das eigene Spendenverhalten zu reflektieren. Welches Vorbild sind wir?
Aus der Erfahrung meiner Praxis weiß ich, dass die meisten Menschen wenig Klarheit darüber haben, was ihnen wirklich am Herzen liegt und welche Projekte sie gerne dauerhaft unterstützen wollen, um auch das Wachstum und die Entwicklung dieser Projekte mitzuerleben und sich daran zu erfreuen. So wird besonders vor Weihnachten „hektisch“ gespendet, als würde es all diese Spendenprojekte morgen nicht mehr geben.
Die Überzeugung, mit der wir unser Geld geben, spielt eine entscheidende Rolle dafür, wie gezielt sinnvoll wir es investieren und wie viel Erfüllung wir dabei erleben. Stattdessen leiten uns oft eher schlechte Gewissen oder Schuldgefühle oder Mitleid (welches über Mitgefühl oder Verständnis hinausgeht und tatsächlich ein „Leiden“ in uns verursacht).
Diese Art zu spenden zeigt sich auch bei den Spendenaufrufen an Kinder in der Vorweihnachtszeit. Was mir dabei fehlt ist, dass Kinder gerade an Schulen kaum durch „Wertevermittlung“ an die Themen herangeführt werden. Und plötzlich werden dann „Projekte“ genannt, zu deren Nöten gerade kleinere Kinder in den Grundschulen noch gar keinen Bezug haben und mit deren Existenz und Not sie überfordert sind, nur mit Hilflosigkeit reagieren können, da sie selbst nichts tun können.
Insofern wäre es generell sinnvoller, Kindern ein gesundes „Geben und Nehmen“ zu vermitteln, ihnen Spenden aus eigener Überzeugung heraus vorzuleben – nicht nur an Weihnachten - und sie langsam an Themen heranzuführen, für die dann auch die Zeit da ist, um die Umstände zu erklären. So reagieren dann auch Kinder schon mit Schuldgefühlen. Es ist für Kinder nicht verständlich und höchst ungerecht, dass andere Kinder, nur weil sie an einem anderen Ort leben, verhungern und sterben.
Naiverweise wünschen wir uns, dass unsere Kinder angesichts solcher Tatsachen ein Stück zufriedener sind. Doch viel eher werden sie dadurch verunsichert, verlieren ein Stück Vertrauen ins Leben oder sind wütend über solche Ungerechtigkeit.
Auch wenn es weniger überzeugend erscheint, im näheren Umfeld zu helfen, ist DIES für Kinder wesentlich wertvoller. Denn sie können erst einmal ihr Umfeld begreifen und kleinere Unterschiede akzeptieren. Sie lernen bei Projekten, zu denen sie einen Bezug gewinnen können, was es konkret heißt, zu spenden und was genau daraus hervor geht. Es wäre also wünschenswert, dass sie auch in die Ergebnisse ihrer Spende einbezogen würden – was zumeist nicht der Fall ist. Erst das Spüren, dass man wirklich etwas bewirken kann, bewirkt, dass ein Mensch weiterhin freiwillig und gerne geben will. Es wäre wertvoll schon Kindern zu zeigen, dass sie selbst etwas tun können und ihr Beitrag eine Wirkung hat – da gäbe es viele Möglichkeiten im nahen Umfeld!
Sinnvoll ist es:
- Selbst ein gutes Vorbild zu sein
- den Bezug zum Spendenzweck zu vermitteln
- Kindern „spenden“ langsam und stetig näher zu bringen
- Sich selbst nicht mehr abzuverlangen, als man geben will
- Respekt zu haben vor dem, was ein Kind schon bereit ist zu geben – oder auch nicht
- Kindern den Raum zu geben, nicht „geben zu müssen“, sondern dieses ganz frei selbst entwickeln zu lassen.
Eine ehrliche Spende kommt von Herzen und wird freiwillig und damit mittelfristig öfter gegeben, als jedes zu früh erzwungene „Geben“. Lassen Sie Ihrem Kind die Zeit, den Sinn, Zweck und die Freude am Geben selbst zu erfahren und zu erlernen.
Als Sponsorin von „Horizont e.V.“ von Jutta Speidel spende ich regelmäßig und lese meinen Kindern vor, was alles aus diesen gesammelten Geldern hervor geht. Sie lesen die Geschichten der Kinder und Familien und ich habe ihnen auch das Haus, das obdachlosen Müttern und Kindern in München dient, bei einem festlichen Anlass gezeigt und erklärt. In der Schule hat meine Tochter dagegen ausschließlich Kinder in Ländern unterstützt, deren Name sie zum ersten Mal gehört hat. Was aus der gespendeten Schokolade für hungrige Kinder geworden ist (und ob die Kinder, die ansonsten Hunger leiden, die Schokolade überhaupt vertragen haben) wissen wir nicht.
Es ist ein entscheidender Unterschied für unsere Lebensqualität, ob wir aus Überzeugung und mit Freude geben – dann vermehren wir die Gefühle von Freude und Sinnhaftigkeit in unserem Leben, während wir Gutes tun und spenden…
Nicole Rupp
Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Nicole Rupp
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