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Crazy Heart

Kinostart: 04. März 2010

Darsteller: Jeff Bridges, Maggie Gyllenhaal, Robert Duvall

Drehbuch, Produzent und Regie Scott Cooper
 
Der Film "Crazy Heart" wurde am 7. März 2010 bei den 82. Academy Awards in zwei Kategorien mit einem Oscar® ausgezeichnet: Bester Schauspieler - Jeff Bridges und Bester Originalsong ("The Weary Kind") - T - Bone Burnett und Ryan Bingham.
 
„Crazy Heart“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Cobb. Die tragische Geschichte ist nicht neu. Der legendäre Country-Sänger Bad Blake (überzeugend gespielt von Jeff Bridges) ist mit sich und dem Leben fertig. Warum ist nicht ganz klar, denn eigentlich war er einmal sehr erfolgreich und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit bei seinen treuen Fans. Der Alkohol ist sein wahrer Feind.
 
Bad taumelt stets benebelt von einem schlechtbezahlten Auftritt zum nächsten. Dazwischen fährt er Kette rauchend und flaschenweise Whisky trinkend quer durch den amerikanischen Westen, der auch in der Moderne wild und rau geblieben ist.
Schön sind die Bilder von Colorado, New Mexico und Texas, wo Bad Blake in Bars und Bowlinghallen auftritt. Der Protagonist selbst ist das abschreckende Gegenteil vom „Marlboro-Mann“, der die Freiheit und Abenteuer in den endlosen Weiten der Vereinigten Staaten mehr über- als erlebt.  
 
Denn eigentlich ist Bad Hollywoods Alptraum und für Ästheten kein schöner Anblick. Dass er in Großaufnahme kotzt und sabbert, mag das Stadium seiner Alkoholabhängigkeit sichtbar machen. Dass wir seinen offenen Gürtel und Hosenschlitz, seinen aufgedunsenen Bauch, seine fettigen Haare, seinen ungepflegten Bart und sein aschfahles Furchengesicht fast zwei Stunden lang ertragen müssen, reicht fürs Auge. Doch warum uns auf der Leinwand auch noch pinkelnde Männer gezeigt werden, wird sich mir wohl nie erschließen.
 
Dafür werden wir mit schöner Country-Musik belohnt (Originalsongs des Grammy-Gewinners T- Bone Burnett und des im Mai 2009 verstorbenen Songwriters Stephen Bruton). Auch der „alte“ Bad lebt nur in seiner Musik wieder auf, auch wenn er nur noch als Vorband seines Protégés Tommy Sweet vor großem Publikum spielt. Gedreht wurden diese Szenen im 12.000 Besucher fassenden Amphitheater von Albuquerque, dem „Journal Pavilion“.
 
Ein Lichtblick nicht nur für den 57jährigen Bad ist der Auftritt der jungen Journalistin Jean Craddock, die als alleinerziehende Mutter mit ihrer Frische und Natürlichkeit und ihrem süßen vierjährigen Sohn Buddy einen erholsamen Kontrast zu der Schmuddelatmosphäre setzt. Wir hoffen mit Bad, dass es aufwärts geht, als sich die beiden bei einem Interview auf Anhieb mögen.
 
Es passiert das Vorsehbare. Die beiden verlieben sich ineinander. Nur wundere ich mich: Wie hässlich kann ein Frosch sein, dass er immer noch eine Prinzessin findet, die ihn küsst? Denn obwohl Bad kein schlechter Kerl ist und ein großes Herz für „Jeany“ und ihren Sohn hat, ist sie neben dem schnarchenden Säufer im Bett wirklich nicht zu beneiden.
 
Aber auch das ist trauriger Alltag und die Geschichte bleibt ernüchternd realistisch. Bads Alkoholikerkarriere spitzt sich zu, obwohl er rührend versucht, seine Chance auf ein neues Glück mit Jean zu nutzen. Doch im Dauernebel ignoriert er die Warnhinweise des Schicksals, bis ihm ein Fehler zum Verhängnis wird. Jeans verständliche Reaktion darauf liefert ihm das letzte Argument, sich nun endgültig dem Suff zu ergeben.
 
Auch bei Bad sitzt der Schock danach so tief, wie er jetzt fällt. Dann geschieht doch noch ein Wunder, obwohl Crazy Heart vor der beeindruckenden Oper von Santa Fe mit herrlichem Blick auf die Sangre De Cristo und Jemez Berge ganz anders endet als der Froschkönig.  
 
Die Vertreterinnen des jungen Publikums, Melanie, Laura und Patricia* (14 Jahre alt) haben mich begleitet. Sie waren an dem amerikanischen Musik-Drama interessiert und ihre Erwartungen an die Country-Songs wurden nicht enttäuscht. Die tragische Story gefiel ihnen ebenfalls. Bei den Ekelszenen waren wir geteilter Meinung. Die einen konnten hingucken, die anderen fanden sie abstoßend. Sehr gut gefiel allen Maggie Gyllenhaal in der Rolle der Jean.  
 
Unser Fazit: Eine berührende und realistische Liebesgeschichte mit toller Musik.
 
 
(*Namen von der Redaktion geändert.)
 
UF
 
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung: 20th Century Fox
 

 

 





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